Erschienen in Ausgabe 9-2016Märkte & Vertrieb

Dombrovskis startet digitale Offensive

EU-Kommission will alle Finanzprodukte für das Cross-Border-Selling bereitstellen

Von Thomas A. FriedrichVersicherungswirtschaft

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Valdis Dombrovskis gehört zwar nicht zur Digital-Native-Generation, aber der ehemalige Ministerpräsident Lettlands hat seinen baltischen Heimatstaat zu einem Erfolgsmodell für Digitalisierung unter den neuen EU-Mitgliedstaaten gemacht. Der 45-jährige Lette hat in seiner Amtszeit als Regierungschef nicht nur überzeugend vorgeführt, wie ein überschuldeter Staatshaushalt während einer halben Dekade auf Sparkurs und in Richtung Wirtschaftswachstum erfolgreich umgesteuert werden kann. Auch bei der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft gehört der baltische Staat neben den skandinavischen Staaten zu den EU-Ländern mit der höchsten Internetdurchdringung, den schnellsten digitalen Infrastrukturen und hoher Bereitschaft der Bürger zum Online-Shopping. Alles Tugenden, mit denen der Vizepräsident der Europäischen Kommission sich mehr als qualifiziert hat, das nach dem Brexit-Votum der Briten verweiste Portfolio des vormaligen EU-Kommissars Jonathan Hill für Finanzstabilität, Finanzmarktdienstleistungen und Kapitalmarktunion zu übernehmen,
Seit 10. Juli ist der von Natur aus zurückhaltende Dombrovskis von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit dem Job betraut worden, die nach zwei Jahren Amtsantritt der neuen EU-Kommission offenen Baustellen der Finanzdienstleistungsbranche voranzubringen und die Vision einer EU-Kapitalmarktunion Wirklichkeit werden zu lassen.

Nationale Vertriebsgrenzen sollen fallen

Kurz vor der Sommerpause hatte der Lette im Europäischen Parlament seine Roadmap in Sachen Finanzdienstmarkt für die kommenden Jahre skizziert: „Ich sehe es als Hauptaufgabe und Verantwortung des Finanzsektors, der Wirtschaft Finazierungsmöglichkeiten zu eröffnen, Investitionen anzukurbeln und Europas Soziale Marktwirtschaft nachhaltig zu gestalten,“ sagte Dombrovskis vor den EU-Parlamentarieren des Wirtschafts- und Finanzausschusses (Econ). Es gehe ihm darum, die besten Rahmenbedingungen für Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu schaffen. Es gehe darum, sicherzustellen, dass Unternehmer und EU-Bürger ihre Finanzen effektiv managen könnten und in die Lage versetzt werden, ihre Pensionierung aufzubauen und sich gegen Krankheit abzusichern. „Um dies zu erreichen, benötigt die EU ein ausbalanciertes regulatorisches System, das den Bürgern sichere Finanzprodukte offeriert, die ihren Bedürfnissen entsprechen.“ Dies setze voraus, dass die Verbraucher über ausreichende Informationen und auch Kenntnisse verfügten, die richtige Entscheidung unter…