Erschienen in Ausgabe 9-2016Trends & Innovationen

Zeichen der Zeit

Versicherer zwischen Wiederaufbau, Wiedervereinigung und dem Weg zu neuen Geschäftsfeldern

Von Dr. Karsten EichmannVersicherungswirtschaft

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Als im Jahr 1946 die Zeitschrift Versicherungswirtschaft gegründet wurde, stand die gesamte Branche genau wie der deutsche Staat wieder ganz am Anfang. Nach zwei Weltkriegen lagen Land und Wirtschaft am Boden, die gesamte Infrastruktur war zerstört. Das Dritte Reich war untergegangen, die Bundesrepublik noch nicht gegründet. Auch viele Firmensitze von Versicherern waren den Bomben zum Opfer gefallen oder lagen in der sowjetisch besetzen Zone. So hatte auch die Gothaer ihren Stammsitz im sächsischen Gotha verloren und nahm den Geschäftsbetrieb in provisorischen Gebäuden in Köln und Göttingen wieder auf.
Das Leben ging weiter und neue Strukturen wurden geschaffen. Dazu zählte auch eine neue Presselandschaft. Neue Medien entstanden, darunter schon sehr früh die Versicherungswirtschaft. Bei der Genehmigung zur Gründung hatte die Militärregierung dem Magazin aufgegeben, sich strikt an demokratischen Ideen zu orientieren und die Branche kritisch und aufmerksam zu begleiten. Diesen Auftrag erfüllt das gelbe Heft, wie es oft liebevoll genannt wird, nun schon seit sieben Jahrzehnten und hat dabei große Veränderungen in der Versicherungsbranche begleitet und dokumentiert.

Versicherer sind heute verbraucherfreundlicher

Von den ersten Jahren des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders über die Deregulierung der Branche in den 1990er Jahren und die Finanzkrise im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends bis hin zu immer umfassenderen regulatorischen Vorgaben wie Solvency II oder IDD und Trends wie Digitalisierung und Multikanalvertrieb – die Versicherungswirtschaft berichtet, ordnet ein und kommentiert sachkundig.
Und es hat sich viel verändert in den letzten 70 Jahren. Die Technik, die unser Geschäft unterstützt, hat sich rasant weiterentwickelt. Zum Beispiel in der Bestandsverwaltung, wo anfangs Lochkarten das Bild beherrschten, über schrankgroße Computer bis hin zu kleinsten Endgeräten, über die der Kunde heute Adressänderungen und ähnliches gleich selber vom heimischen Sofa aus erledigen kann. Auch die Art und Weise, wie mit dem Kunden kommuniziert wird, hat sich gewandelt, neue Kommunikationskanäle sind entstanden. Galt in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts BTX als bahnbrechende Innovation, ist es längst wieder von der Bildfläche verschwunden und wurde abgelöst durch E-Mail, WhatsApp oder Social Media.
Dementsprechend nimmt das Briefpostvolumen immer weiter ab. In der Krankenversicherung fotografiert der Kunde seine Arztrechnungen und Rezepte mittlerweile mit…