Erschienen in Ausgabe 8-2016Trends & Innovationen

Basteln an einem wirklich langfristigen Zins

Eiopa will bis zum Herbst eine Entscheidung über die Ultimate Forward Rate

Versicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Bei den Korrekturen um das frisch in Betrieb gesetzte Aufsichtssystem Solvency II tritt Insurance Europe überraschend auf die Bremse. Modifikationen der Ultimate Forward Rate (UFR) könnten die Investment-Strategien der Versicherer negativ beeinflussen, warnt der Dachverband der europäischen Versicherer. Vor allem deutsche Lebensversicherer kritisieren die Ultimate Forward Rate, die ihnen die Solvency-II-Bilanz erschwert. Die Ultimate Forward Rate ist der langfristige Zins, das heißt ein Zins für Papiere, die 20 Jahre und länger laufen. Da es weder diese Papiere noch einen Markt dafür gibt, hat Eiopa die UFR auf 4,2 Prozent festgelegt. Dieser zunächst willkürlich erscheinende Wert basiert auf den langfristigen Wachstumsraten. In der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation Europas scheinen diese Werte aber eher eine nostalgische Erinnerung an die Zeiten des Wirtschaftswunders zu sein als realistische Prognosen. Eiopa-Chef Gabriel Bernardino sieht das zwar ein, will sich aber Zeit nehmen. Die UFR wird erst im Laufe dieses Jahres modifiziert werden. Im Herbst soll die Entscheidung fallen, ob und wie sie geändert wird.
Unterstützung bekommt Bernardino jetzt von den Versicherern. „Aufrufe zu übereilten Veränderungen der Ultimate Forward Rate scheinen auf einem Missverständnis seines ursprünglichen Zwecks zu basieren”, sagt Igotz Aubin, Head of Prudential Regulation bei Insurance Europe. Nach Berechnungen des europäischen Versicherungsverbandes könnten UFR-Modifikationen nachteilige Auswirkungen sowohl auf die Versicherungsnehmer als auch auf die europäische Wirtschaft haben. Das aktuelle Rahmenwerk verfüge bereits über Schutzmechanismen, die ordnungsgemäße Schadenzahlungen gewährleisten.
Diskussionen führt Insurance Europe auch mit dem IAIS. Die Arbeiten an globalen Kapitalstandards für Versicherer (ICS), den so genannten Insurance Capital Standards, die im Jahr 2020 in Kraft treten sollen, stellen die europäische Versicherungsindustrie nicht zufrieden. Die International Association of Insurance Supervisors (IAIS) strebt global konsistente Aufsichtssysteme an. Insurance Europe als Vertretung von 34 nationalen Versicherungsorganisationen auf dem europäischen Kontinent begleitet die ICS-Bemühungen aktiv mit europäischer Best Practice und Erfahrungen der Umsetzung von Solvency II in der EU. vw