Erschienen in Ausgabe 8-2016Köpfe & Positionen

Angst vor der Altersarmut.

Zu Titelreport: „bAV im Nebel der Rentenpolitik“, .

Von Dr. Patrick DahmenVersicherungswirtschaft

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Negative Zinsen bei der zehnjährigen Bundesanleihe, verbunden mit einer von der EZB gemessenen Inflationsrate von ca. 1,0 Prozent – ohne Berücksichtigung der starken Preissenkungen beim Öl, stellen zentrale Herausforderungen für die Altersvorsorge und die Absicherung der künftigen Kaufkraft des bestehenden Vermögens dar. Altersvorsorgeanbieter müssen vor diesem Hintergrund über zwei Kernstärken verfügen: eine starke, uneingeschränkte finanzielle Stabilität sowie Kompetenz, Größe und Erfahrung zur Generierung attraktiver Renditen für Kunden in einem negativen Zinsumfeld.
Wir haben schon vor Solvency II erkannt, wie essenziell eine wert- und risikoorientierte Unternehmenssteuerung ist und sehen uns daher gut aufgestellt. So richten wir beispielsweise seit einigen Jahren unsere Kapitalanlagen in Bezug auf die Laufzeit konsequent auf die Laufzeiten unserer Kundenverbindlichkeiten aus und verfügen dadurch in Zeiten niedriger Zinsen über hohe stille Reserven. Die nun schon länger andauernde Niedrigzinsphase geht eindeutig zu Lasten der Altersvorsorgesparer. Da gibt es zum einen die psychologische Komponente, die m.E. nicht zu unterschätzen ist: So erklärt laut aktuellem Axa-Deutschland-Report mehr als die Hälfte der Berufstätigen in Deutschland, dass sie wegen der Niedrigzinsen die private Altersvorsorge nicht weiter ausbauen wollen. Ob sie grundsätzlich überhaupt noch sinnvoll ist, fragen sich zudem fast 50 Prozent. Gleichzeitig gibt aber jeder dritte Erwerbstätige an, dass er sich persönlich vor Altersarmut fürchtet. Diese Ergebnisse decken sich mit unseren Erfahrungen, dass Viele beim Thema Vorsorge eine sehr abwartende Haltung einnehmen bis hin zur Verweigerung. Sie wissen zwar, dass sie privat vorsorgen sollten. Bei derart niedrigen Zinsen sehen sie aber keine ausreichende Belohnung für das Sparen und den damit verbundenen Konsumverzicht. Leider lässt sich Versäumtes aber kaum noch aufholen. Es ist daher sehr wichtig, dass wir den Menschen Vertrauen und Zuversicht geben, dass es sinnvoll ist, auch weiterhin privat vorzusorgen.
Dafür sind neue Modelle gefordert, das kapitalgedeckte System muss sich weiterentwickeln. Das bislang gut funktionierende Konstrukt der konventionellen Lebensversicherung setzt enge Grenzen bei der Kapitalanlage. 30 bis 40 Jahre Garantie für eine Verzinsung zum Ablauf plus jährlich garantierte Rückkaufswerte erlauben gerade bei extrem niedrigen Zinsen kaum noch den dringend geforderten Spielraum bei der Kapitalanlage. Bei der Diskussion…