Erschienen in Ausgabe 8-2016Unternehmen & Management

Mit Psychologie Schäden minimieren

Kfz-Flotten können mithilfe von Beobachtung und Gruppendruck ihre Schadenkosten senken

Von Burkhard Vesper und Katja BoedeckerVersicherungswirtschaft

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Seit der Einführung des Automobils vor 130 Jahren nimmt die Anzahl der Kraftfahrzeuge auf unseren Straßen immer weiter zu. Laut statistischem Bundesamt waren im Jahr 2015 mehr als 53 Millionen Fahrzeuge in Deutschland gemeldet, davon 44 Millionen Pkw. Bei einer Gesamtbevölkerung von rund 82 Millionen haben, rein rechnerisch, mehr als die Hälfte der Deutschen einen PKW zur Nutzung – und damit auch zu versichern. Von den jährlich ca. 2,6 Millionen neu zugelassenen Pkws werden dabei ca. 60 Prozent als Dienstwagen und 40 Prozent als Privatfahrzeuge angeschafft, ein enormes Potenzial für Versicherung.
Doch so groß wie der Markt ist, genauso heterogen stellt er sich dar: Bei Privatkunden gibt es unzählige unterschiedliche Fahrzeug- und Fahrertypen. Bisher versuchen Versicherer, das scheinbar unberechenbare Risiko, welches diese Heterogenität hervorbringt, mit soziokulturellen Ansätzen berechenbarer zu gestalten, indem sie für die Prämienberechnungen auf bestehende soziokulturelle Typen-Cluster aufgrund von Alter, Geschlecht, sozialem Status der Versicherten etc. zurückgreifen.
Aufgrund des voranschreitenden Wertewandels der Gesellschaft und der zunehmenden Individualisierung lösen sich diese Cluster immer mehr auf, vermischen sich und verlieren damit an Aussagekraft, auch und gerade für die Prämien- und Risikobewertung.
Gewerbliche Flotten werden aktuell sogar als noch schwieriger angesehen, da die soziokulturellen Ansätze, die für Privatfahrer zumindest teilweise noch einsetzbar sind, für Flotten nicht anwendbar und die Daten nicht in gleicher Form verfügbar sind. Daher hat sich bei Versicherern die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich mit Kfz-Versicherungen nur Verluste einfahren lassen.
Dabei bieten gewerbliche Flotten aufgrund ihrer teilweisen Homogenität (überschaubare Anzahl an unterschiedlichen Fahrzeugmodellen mit ähnlicher Laufleistung über alle Fahrzeuge hinweg, unternehmensübergreifende Car Policy) und der Mengeneffekte durchaus Potenzial, die Schadenkosten zu stabilisieren und somit das Risiko beherrschbar zu machen. Aber in Zeiten, in denen vor allem in größeren Unternehmen zunehmend der Kostenblock rein systemerhaltender Unternehmensbereiche in den Fokus rückt, zu denen auch die Fuhrparks und deren Kostenentwicklung gehören, haben die Controlling-Abteilungen großer Unternehmen und externe Schadenmanager ebenfalls das Potential entdeckt, das eine Stabilisierung der Prozesse innerhalb der Schadenabwicklung mit sich bringt.

Schadenkosten mit Stochastik