Erschienen in Ausgabe 8-2016Märkte & Vertrieb

Kunden vertrauen mehr den Menschen als der Technik

LVM besinnt sich auf seine Stärken

Von Claudia Schmidt-WehrmannVersicherungswirtschaft

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Kunden vertrauen mehr den Menschen als der Technik

LVM besinnt sich auf seine Stärken

Nach dem Wachwechsel in der Führungsspitze der Landwirtschaftlichen Versicherung Münster (LVM) legt man noch mehr als sonst Wert auf Kontinuität. „Es gibt keinen Grund das Ruder umzulegen“, betont der neue Vorstandschef Mathias Kleuker. Er verweist auf das Strategieprojekt der LVM, das er seit Jahren leitet, und das die Marschrichtung vorzeichnet. Der Münsterländer ist seit 1995 an Bord, seit 2014 ist Kleuker im Vorstand tätig. Der promovierte Volljurist bezeichnet sich als einen systematischen Denker. Vorgänger Jochen Herwig, der seit 2011 den Vorstandsvorsitz innehatte, ging stets nach dem Bauchgefühl. Dass der Diplom- und Bankkaufmann damit nicht schlecht beraten war, zeigt die Entwicklung des in der Provinz ansässigen, aber keineswegs provinziellen Versicherers. Der 69-Jährige bedauert aber, dass durch die wachsenden aufsichtsrechtlichen Regulierungen und Anforderungen dem unternehmerischen Denken immer engere Grenzen gesetzt werden. Dieser Umstand dürfte die Wahl Kleukers zum Nachfolger beeinflusst haben. Die zunehmende Komplexität des Versicherungsgeschäfts erfordert einen kopfgesteuerten Macher, der firm im Recht ist. Kleuker übernimmt an der Vorstands­spitze die Ressorts Kommunikation und Personal für Konzernrevision, Rechnungswesen, Recht und Risikosteuerung. Kleuker strebt keinen Wechsel der besonderen Unternehmens­kultur der LVM an. Er will diese Kultur, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht, bewahren. Daran soll auch die Digitalisierung nichts ändern. Hier sieht Herwig die LVM schon jetzt als führend. Diesen Vorsprung will man halten. Allerdings gibt es auch Grenzen. Zwar sind die Prozesse weitgehend digitalisiert und die Kunden haben direkten Zugriff auf ihre Vertragsdaten, können Schäden via Internet melden und dokumentieren, aber Verträge über eine Internetpräsenz der LVM abzuschließen, das ist tabu und soll auch tabu bleiben. Die Digitalisierung ist nur der verlängerte Arm der Vertrauensleute, betont Herwig. Deren Hauptaufgabe ist und bleibt die Beratung. Darauf geht Herwig beim Tischgespräch sogar eine Wette mit einem Journalisten ein. Dieser zeigte sich überzeugt, dass die LVM insbesondere im Kfz-Geschäft mit Blick auf die Konkurrenz auf Dauer darauf nicht verzichten kann. Sowohl für Herwig als auch für Kleuker hat das Vertrauen der Kunden oberste Priorität. Befragungen haben ergeben, dass die Mehrzahl der Kunden eine kompetente und persönliche Beratung…