Erschienen in Ausgabe 8-2016Märkte & Vertrieb

Weckrufe und Warnungen

Italienische Versicherer wollen einen größeren Beitrag zur Bewältigung der Wirtschaftskrise leisten

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

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Wie kann Italiens Versicherungsbranche den Aufschwung stützen und für mehr Investitionen sorgen? Diese zentrale Frage stellte Maria Bianca Farina, neue Präsidentin des Dachverbandes der Versicherungswirtschaft Ania, ihren Mitgliedern auf der letzten Jahrestagung in Rom. „Die Situation im Land ist noch immer herausfordernd und komplex, aber der Blick auf die wirtschaftlichen Kennziffern macht Mut. Wir müssen uns jedoch dringend überlegen, wie wir besser zur Entwicklung im Land beitragen können.“ Es klang wie ein Weckruf für die Branche; konkrete Pläne gab es jedoch nicht zu vermelden. Zwei Zahlen unterstreichen die Bedeutung der Versicherer: Die Prämieneinnahmen betragen neun Prozent des italie­nischen Bruttoinlandsprodukts; allein die Lebenssparte bündelt 14 Prozent aller Ersparnisse der Italiener. Damit ist der Ver­sicherungssektor eine tragende Säule des italienischen Finanzsystems. Um das jedoch steht es gerade nicht zum Besten.

Keine Sanierung des Finanzsektors

Italiens Banken haben faule Kredite von rund 360 Mrd. Euro in ihren Büchern. Statt Gläubiger und Investoren soll wieder der Steuerzahler einspringen. Ein Kollaps der italienischen Finanzinstitute würde eine Kettenreaktion in ganz Europa auslösen. Der ehemalige Chef der Schweizer Zentralbank, Philipp Hildebrand, warnte bereits vor einer Katastrophe auf dem europäischen Finanzsektor. „Jetzt kommt so etwas wie die zweite Welle – neun Jahre nach der Finanzkrise.“ Europa habe es verpasst, das Bankensystem nachhaltig zu sanieren. Doch wie konnte es so weit kommen? Um nationale Extrawürste zu verhindern, wurde in Europa die Bankenaufsicht vereinheitlicht. Der Bereich wanderte zur Europäischen Zentralbank (EZB).
Zudem müssen sich alle europäischen Großbanken regelmäßig einem so genannten Stresstest unterziehen. Dabei wird ein größerer Wirtschaftsabschwung mit vielen Kreditausfällen simuliert. Der letzte Test fand 2014 statt. Damals sind 25 Banken durchgefallen – darunter neun Institute aus Italien. Nach Veröffentlichung der Ergebnisse titelten die Zeitungen: „Die nächste Eurokrise gärt in Italien“ oder „Banken aus Italien werden zum Sorgenfall“. Doch die Aufsicht beschwichtigte. Die italienische Zentralbank, die Teil des EZB-Systems ist, versicherte noch bis vor wenigen Wochen gebetsmühlenhaft, dass das Bankensystem stabil sei. Die meisten Institute hätten genügend Geld, um allfällige Lücken zu schließen. Während in anderen Ländern Krisenbanken vom Markt genommen wurden, blieb in Italien die Sanierung des…