Erschienen in Ausgabe 8-2016Schlaglicht

Offen für die Welt

Dax-Konzerne rüsten sich mit internationalem Vorstandswissen für den globalen Wettbewerb

Von Versicherungswirtschaft

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Das oberste Zentrum unternehmerischer Wirtschaftsmacht jemandem an die Hand zu geben, der nicht in Deutschland sozialisiert wurde oder verwurzelt ist? Bis vor einigen Jahren kaum zu denken. Heute durchdringt die Internationalisierung der Chefetagen vor allem die am deutschen Aktienindex gehandelten Player. Der Anteil der Dax-30-Firmen mit ausländischen Vorstandsmitgliedern war 2015 höher denn je, berichtet das Beratungshaus Simon-Kucher & Partners in einer Studie. Gegenwärtig werden nur zwei Unternehmen aus diesem elitären Kreis rein deutsch geführt: Neben der Commerzbank auch die Lufthansa. Mit knapp 28 Prozent lag der Anteil internationaler Vorstände im vergangenen Jahr nur leicht unter dem Höchstwert von 29,1 Prozent aus 2013. „Dieser Stand pendelt sich seit einigen Jahren bei rund 30 Prozent ein“, erklärt Christoph Lesch, Director bei Simon-Kucher. „Es ist ein gesunder Mix und wir erwarten nicht, dass der Wert in den kommenden Jahren deutlich steigt.“
In der deutschen Versicherungsindustrie indes sind ausländische Vorstandskräfte rar gesät. Zu den Top-Managern gehören etwa der Italiener Giovanni Liverani, Generali-Deutschland-Chef, sein Landsmann Sergio Balbinot sowie die Südafrikanerin Jacqueline Hunt von der Allianz, der Engländer Matthew Wilby von der Provinzial oder der Norweger Hans Olav Herøy, Huk-Coburg Vorstand. Aus diesem Umfeld sorgte vor allem Liverani für Aufsehen, als er im vergangenen Jahr den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Dietmar Meister an der Spitze der deutschen Generali ab- und damit eine kleine Kulturrevolution beim Versicherer auslöste. Liverani, seit 1991 für den italienischen Player tätig, gilt als einer der Mitbegründer des Direktversicherers Genertel. Erfahrungen im deutschsprachigen Business-Raum sammelte der Manager seit 2006, wo er als Group Head Office das Generali-Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz koordinierte. 2012 übernahm er zudem die Aufsicht über das Business der Versicherungsgruppe in Italien. Zu seinem Amtsantritt bei der Generali Deutschland forderte der Vorstandschef eine neue Grundhaltung, um im sich verändernden Geschäftsumfeld eine gute Position zu halten. Gleichwohl will er gewachsene Identitäten nicht glatt bügeln, sondern als Stärken der einzelnen Unternehmen in die Gesamtstrategie überführen.
Ergebnisse liefern will nach eigenen Aussagen auch die Südafrikanerin Jacqueline Hunt, mit der sich der Allianz-Konzern erst im Juli verstärkt hat. Damit ist sie die zweite Frau im Vorstand…