Erschienen in Ausgabe 8-2016Schlaglicht

„Eine fremde Kultur kann man nicht eins zu eins verstehen“

Jutta Boenig, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung, über Management-Erfolg im Ausland

Von Versicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Versicherungswirtschaft: Thomas Buberl wird ab September dieses Jahres neuer Vorstandschef des Axa-Konzerns. Die Berufung eines Deutschen an die Konzernspitze eines französischen Global Players kommt in diesem Umfeld einer Kulturrevolution gleich. Mit Ausnahme der Dax-Konzerne wird auch in Deutschland häufig auf das mensch­liche Know-how aus dem Ausland verzichtet. Wieso ist das so?

Jutta Boenig: Ausländische Firmen stellen deutsche Manager aufgrund ihres guten Rufs gerne ein. Umgekehrt ist das aber tatsächlich nicht der Fall. Woran das genau liegt, lässt sich nur schwer beantworten. Grundsätzlich ist am Wirtschaftsstandort Deutschland eine gewisse Arroganz im Verhältnis zu ausländischem Führungspersonal spürbar. Hierzulande herrscht auf Unternehmensebene die Meinung vor, stärkste Wirtschaftskraft zu sein und auch so alles im Griff zu haben. Deutschland wird global dafür geehrt, fleißig, arbeitsam und sorgfältig zu sein. Zu Recht. Es gehört aber auch dazu, personell für das Ausland attraktiver zu werden.

Deutschland versteht sich als globaler Business-Platz und verfügt über vielschichtige wirtschaftliche Beziehungen ins Ausland. Was müssen die Unternehmen bei der Einbindung internationalen Top-Personals besser machen?

Die Unternehmen sollten sich darauf besinnen, nachzuentwickeln, etwaige Identitätsängste zu überwinden und sich kulturell anders eingestellten Entscheidungsträgern zu öffnen. Dazu bedarf es auch gezielter Programme, an denen es momentan häufig mangelt. Wenn man die gegenwärtige Landschaft auf der Meta-Ebene beobachtet, gibt es Käufer oder Übernehmer aus dem Ausland, aber keine personelle Einbindung – vor allem im Mittelstand.

Für die Manager selbst geht es beim Schritt ins Ausland um den beruflichen Aufstieg und den Blick über den Tellerrand. Welche Motivation verbirgt sich noch hinter dem Bestreben nach einer Karriere abseits der Landesgrenzen?

Treibende Kraft ist sicherlich der Gedanke um den beruflichen Aufstieg. Hinzu kommen der Wunsch nach mehr Internationalität und die übergeordnete Ambition, Teil der europäischen Idee zu sein. Wenn eine deutsche Führungskraft zum Beispiel nach Frankreich, Belgien oder Italien geht, kann sie bestimmte Ziele und Wertvorstellungen unter neuen Wettbewerbsbedingungen verfolgen und dort auch stärker am „Europäischen Rad“ drehen. Für die Manager selbst gilt es immer zu hinterfragen, wie sie im Ausland mit den veränderten kulturellen Anforderungen umgehen.

Mit welchen Unterschieden haben die Manager denn in den