Erschienen in Ausgabe 8-2016Trends & Innovationen

Verantwortung im Kollektiv

Versicherungsbedürfnisse und Risikopotenziale in der globalen Entwicklungszusammenarbeit

Von Gerd MüllerVersicherungswirtschaft

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Die Weltgemeinschaft steht vor enormen Herausforderungen: Noch immer leben rund 700 Millionen Menschen in absoluter Armut und etwa zwei Milliarden Menschen müssen mit weniger als drei US-Dollar pro Tag auskommen. Weltweit hungern knapp 800 Millionen. Der Klimawandel gefährdet unsere Lebensgrundlagen. Mehr als 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht.
Am Anfang des 21. Jahrhunderts leben wir in einer Welt, in der Herausforderungen und Risiken zunehmen. Arme Menschen und Flüchtlinge in Entwicklungs- und Schwellenländern führen ein Leben in ständiger Unsicherheit. Krisen, die durch Lebens- und Umweltrisiken, wie beispielsweise Dürren, Überschwemmungen oder Epidemien, verursacht werden, können ihre Armut dramatisch verschärfen und Leben gefährden.

Niedriger Versicherungszugang in Afrika

In den 100 ärmsten Ländern sind lediglich drei Prozent der Bevölkerung durch Ver­sicherungen abgesichert. Das muss aber nicht so sein. Denn es ist möglich, auch für Haushalte mit sehr geringem Einkommen finanzierbare Versicherungen zur Verfügung zu stellen. Das Prinzip kollektiver Verantwortung für die Risiken jedes Einzelnen kann uns bei den entscheidenden Zukunftsfragen der Menschheit weiter bringen. Damit werden Versicherungen zu einem wichtigen Baustein für die Umsetzung der im vergangenen Jahr von der Weltgemeinschaft in New York beschlossenen Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung – des Weltzukunftsvertrags.
Nach aktuellen Schätzungen profitieren bisher nur zwischen 0,1 und einem Prozent der einkommensschwachen Bevölkerung in Afrika, Asien und Lateinamerika von einem direkten Zugang zu Versicherungen. Ein Ziel meines Ministeriums ist es daher, Versicherungsmärkte in Entwicklungs- und Schwellenländern so zu entwickeln, dass sich auch Menschen mit geringem Einkommen absichern können. Wir wissen, dass der öffentliche Sektor und die internationale Entwicklungszusammenarbeit diese riesige Schutzlücke nicht allein schließen können. Daher unterstützen wir innovative Ansätze, bei denen mit öffentlichen Mitteln privates Kapital für die Absicherung der armen und am meisten gefährdeten Menschen mobilisiert und so auch die Versicherungswirtschaft eng eingebunden wird. Für unsere Arbeit von besonderer Bedeutung sind Klimarisikoversicherungen, Agrarversicherungen und Versicherungen zur Existenzsicherung.

Agrar-Policen als Beitrag zur Ernährungssicherheit

Schon heute beeinträchtigt der Klimawandel die wirtschaftliche Entwicklung in den ärmsten Ländern der Welt. Neben allmählichen…