Erschienen in Ausgabe 8-2016Unternehmen & Management

Concordia: Polnische Töchter vor Verkauf „hübsch“ frisiert – hohe Aufwendungen für Zinszusatzreserve

Von Claudia Schmidt-WehrmannVersicherungswirtschaft

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Die Concordia Versicherungen in Hannover will auch im laufenden Jahr weiter wachsen. Gerechnet wird in der Gruppe, die mit den Sparten Komposit, Leben, Kranken und Rechtsschutz über ein Rund-um-Angebot verfügt und zu der auch zwei polnische Töchter gehören, im Gesamtjahr mit einem Prämienwachstum von rund 2%. Insgesamt wird laut Geschäftsbericht aber ein Gewinn unter dem bereits stark zusammengeschrumpften Vorjahr erwartet. Ein Grund: Angesichts der Niedrigzinsen sind auch in den kommenden Jahren erhebliche Aufwendungen für die Dotierung der Zinszusatzreserve notwendig, die die Ergebnisse belasten. Noch keine Prognosen gibt es zum Schadenverlauf und zu den Kapitalerträgen.
Mittelfristig erwägt die Concordia einen Verkauf ihrer polnischen Töchter (Sach und Leben). In Polen ist die Concordia bereits seit Ende der neunziger Jahre aktiv, doch fällt die bisherige Bilanz dieses Engagements ernüchternd aus. Concordia-Vorstandschef Heiner Feldhaus denkt daher über einen Ausstieg nach. Allerdings sollen die Töchter vorher „hübsch“ gemacht werden. Dies gilt vor allem für die Sachversicherung Concordia Polska TUW, die stark im Agrarbereich engagiert ist. Im Rahmen der bereits eingeleiteten Neuausrichtung sind zwar die Beitragseinnahmen nach zwei Schrumpfjahren 2015 wieder leicht auf 80 Mio. Euro gestiegen, und die Schadenaufwendungen waren deutlich rückläufig. Die versicherungstechnische Rechnung schloss jedoch erneut negativ ab. Daher stand unter dem Strich auch ein Verlust von rund 1 Mio. Euro. Die polnische Lebensversicherung Concordia Capi­tal SA blieb trotz regelmäßiger Gewinnausweise mit zuletzt 13,5 Mio. Euro Beitragseinnahmen eine unbedeutende Nummer am Markt.
Für das Gj. 2015 gab sich Feldhaus trotz des erwarteten kräftigen Gewinnrückgangs zufrieden. Insgesamt gehöre 2015 zu den „guten Jahren“. 2014, als das 150-jährige Jubiläum der Versicherung gefeiert werden konnte, hatte die Concordia ein Rekordergebnis ausgewiesen. Ausschlaggebend hierfür war allerdings die Trennung von einem Teil der Beteiligung an der Hannover-Rück-Tochter E+S Rückversicherung, die in der Konzernrechnung 54,3 Mio. Euro in die Kasse spülte. 2015 erreichte der Konzerngewinn mit 17,2 (Vj.: 78,4) Mio. Euro nicht einmal ein Viertel des Vorjahreswertes. Auch unter Berücksichtigung des Sonderertrags fiel der Gewinn kleiner aus als 2014. Belastend wirkte die Dotierung der Zinszusatzreserve in der Lebensversicherung mit 26,7 (19,9) Mio. Euro. Zu dieser Zuführung mussten laut Feldhaus weitere…