Erschienen in Ausgabe 8-2016Märkte & Vertrieb

Geteilt und versichert

Insurance-Player auf der Suche nach dem Eintrittsticket in die Welt der Shared-Economy

Von Jürgen WulfVersicherungswirtschaft

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Autoversicherer stehen vor einer Zäsur. Bis zu 50 Prozent des heutigen Prämienvolumens könnten bis 2025 entfallen, so eine Schätzung von HNW Consulting. Zwar wird die Schadenhäufigkeit durch moderne Fahrzeugtechnologien sinken. Im Gegenzug steigen allerdings die Schadendurchschnittsaufwände durch die zunehmende Komplexität in der Fahrzeugtechnologie stetig. Die Folge: Das Tarifniveau ist tendenziell niedriger anzusetzen und die Beitragseinnahmen werden sinken. Weitere Einbußen sind durch die Verlagerung von Versicherungsschutz vom Endkunden auf Carsharing-Anbieter und neue Mobilitätsangebote zu erwarten.

Kfz-Versicherung durchläuft einen Rollenwandel

Für die Kfz-Versicherer stellt sich somit die Frage, welche Optionen sich anbieten, um sich den zukünftigen Entwicklungen zu stellen. Der Markt für Autoversicherer wird kleiner, die Anzahl der pro Haushalt eigenfinanzierten und -gehaltenen Fahrzeuge sinkt. Auslöser sind der massive Wertewandel sowie neue Mobilitätskonzepte. Eines davon ist Carsharing: Car2Go, DriveNow und Flinkster werden immer beliebter, der Markt umkämpfter. Ein eigenes beziehungsweise neues Auto steht nur bei jedem Sechsten der 18- bis 34-Jährigen auf der Wunschliste. Lieber nutzt die nachwachsende Generation den öffentlichen Nahverkehr, die Bahn, Fernbusse oder Privattaxis wie Uber. Wenn ein Auto benötigt wird, wird es gemietet oder geteilt. Mittlerweile gibt es im Bundesgebiet mehr als 150 Unternehmen, die Carsharing anbieten. Gerade für Versicherer mit viel Geschäft in Ballungszentren ergeben sich hieraus signifikante Bestandsverlustrisiken.
Ein weiterer Veränderungstreiber ist das autonome Fahren. Teslas Model S kann nach einem Software-Update nun komplett ohne Fahrer einparken und die Spur wechseln. Die Technik soll durch einen automatischen Bremsassistenten auch Unfälle verhindern. Die Bundesregierung hat im Frühjahr beschlossen, gesetzliche Hürden für selbstfahrende Autos zu beseitigen. Dies wird die Entwicklung weiter beschleunigen. Experten rechnen damit, dass ab 2020 selbstfahrende Autos für den breiten Markt produziert werden.
Ob 2020 oder 2025, die Auswirkungen werden kommen. Der rasante Fortschritt bei den Fahrerassistenzsystemen von Kraftfahrzeugen bis hin zum autonomen Fahren wird die Anzahl an Kfz-Schäden signifikant reduzieren. Eine Studie des Rückversicherers Swiss Re in Zusammenarbeit mit dem Online-Kartendienst Here sieht bereits bis 2020 einen stark schrumpfenden Kfz-Markt. Zudem stellen sich neue Haftungsfragen, weil die…