Erschienen in Ausgabe 7-2016Märkte & Vertrieb

Arm dran vor Gericht

Kompliziert, intransparent und teuer – Assistanceleistungen sollen das Neugeschäft beim Rechtsschutz beleben

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Recht wird von den Deutschen als wichtig, aber auch sehr komplex und überfordernd angesehen und löst teils Ohnmachtsgefühle aus“, sagte Peter Mannott von Yougov Deutschland auf der ersten MCC-Konferenz zum Rechtsschutz. Nach der Meinung des Senior Consultant suchten die Deutschen daher nach Unterstützung und versuchten, ihre Entscheidungsautonomie über eine Rechtsschutzversicherung zu bekommen.
Trotz dieser guten Ausgangslage zeichnet das Produkt eine zu hohe Komplexität und Intransparenz aus. „Sie sind immer Thema im Ombudsmann-Jahresbericht, kritisierte Karin Kuchelmeister, Projektleiterin Rechtsschutz bei der Stiftung Warentest. 2015 sei ein Fünftel des Gesamtbeschwerdeaufkommens auf die Sparte Rechtsschutz entfallen. Und im Vertrieb sorgen diese Umstände für Stillstand: Seit Jahren sind fast unverändert weniger als die Hälfte der Haushalte rechtsschutzversichert. Neugeschäft zeichnen die Gesellschaften im Grunde nur durch Umdeckung, sagte der Vorstand der Örag Rechtsschutzversicherung, Andreas Heinsen.

Widerrufsklagen treiben Kosten

Den Zahlen von 2014 zufolge ging der Absatz über die Ausschließlichkeit auf 56 (57,6) Prozent und durch Makler auf 23,7 (25) Prozent zurück. Zu allem Überfluss hat der Rechtsschutz auch ein Kostenproblem: 2015 lag die Combined Ratio bei 103 Prozent – die Schadenquote betrug 75,5 Prozent. Rechtsschutzversicherung ist ein aufwändiges Geschäft. Nur die Krankenversicherung (als Schadensparte), die Unfallversicherung und die Hausratversicherung verzeichnen höhere Kostenquoten.
Aktuell treiben die Klagen gegen Banken wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrung bei Immobilienkrediten die Kosten. Hierfür forderte Axel Kleinlein auf der Fachkonferenz eine Lösung. Denn je nachdem ob Gesamtdarlehen, Restdarlehen oder Zinsdifferenz als Streitwert zugrunde gelegt werden, ergeben sich unterschiedliche Kosten. Der Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten ist überzeugt, dass einige Versicherer die Deckung verweigerten, wenn der Streitwert zu hoch sei. Es seien aber weitere juristische Entscheidungen zu Widerrufsrechten in anderen Bereichen zu erwarten, sodass dies gelöst werden müsse.
Aber nicht nur die Widerrufsklagen verteuern den Rechtsschutz. Heinsen schätzt, dass sich bald die Steigerungen bei den Mieten und den Tarifabschlüssen, aber auch die höheren Preise für Altimmobilien sowie das vermehrte „Shoppen dank einer guten Binnenkonjunktur“ als höhere Streitwerte in den verschiedenen Rechtsschutzarten niederschlagen werden. „2017 und…