Erschienen in Ausgabe 7-2016Märkte & Vertrieb

„Man blendet Probleme auch gerne aus“

Rainer Langner, Vorstandschef der Vereinigten Hagel, erklärt, wie Wetterextreme für Landwirte beherrschbar werden

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Letztes Jahr haben wir über Hagel und Dürre gesprochen. In diesem Jahr reden wir nur noch über Starkregen und Überschwemmungen. Überrascht Sie das?

Rainer Langner: Nein, nicht wirklich. Wir beobachten schon seit Jahren eine Zunahme von Wetterextremen. Die mögen auch direkt mit dem Klimawandel zu tun haben. In einer Studie vom Bundesministerium für Landwirtschaft vom vergangenen Jahr war herausgestellt worden, dass wir uns in den nächsten Jahren auf weitere Wetterextreme einstellen müssen. Dazu gehören auch Starkregen, Überschwemmungen und Dürre.

Die Landwirte wussten, dass es hier ein Problem gibt.

Man blendet das gerne auch aus. Wenn man einige Jahre Ruhe gehabt hat, tritt so ein Thema in den Hintergrund. Die Betroffenheit einzelner ist teilweise extrem. Ich denke, dass die Extreme, die wir in den letzten Jahren gesehen haben, schon besonders in ihrer Ausprägung waren.

Wie groß sind die Schäden durch den Starkregen bei der Vereinigten Hagel?

Wir haben derzeit 80.000 Hektar gemeldeter Fläche als Schaden. Derzeit haben nur zehn Prozent unserer Verträge eine Starkregendeckung. Die Starkregenschäden sind dabei mit 13.000 Hektar überproportional vertreten.

Was passiert durch den Starkregen?

Das kommt darauf an, in welchem Vegetationsstadium eine Pflanze getroffen wird. Wir können Erosionsschäden haben, Verschlämmungsschäden, aber wir können auch die Situation haben, dass die Pflanzen im Wasser stehen bleiben, ersticken und absterben und daraus Ertragsdepressionen entstehen.

Viele Bauern sind nicht gegen Starkregen versichert.

Das ist in der Tat richtig. Das Produkt ist erst seit 2009 auf dem Markt. Aber wir sehen, dass dort, wo ein größeres Ereignis stattgefunden hat, die Versicherungsdichte schlagartig zunimmt. Das werden wir in diesem Jahr wieder erleben.

Bei der Vereinigten Hagel steigen die Schäden stärker an als die versicherte Fläche.

Das stimmt.

Woran liegt das?

Das liegt daran, dass der Produktionswert auf den versicherten Flächen angestiegen ist. Was wir aber auch sehen ist, dass wir kleinräumig eine Zunahme der Intensität der Schäden haben. Die Intensität der Schäden auf einen bestimmten Raum hat in den letzten Jahren zugenommen. Der Durchschnittsschaden ist dadurch deutlich gestiegen.

Das ist dann wohl der Fußabdruck des Klimawandels.

Ja, wenn wir den Klimawandel als gegeben anerkennen, sind diese Wetterereignisse wohl als Fußabdruck des Klimawandels einzustufen.

Wird Versicherung dadurch teurer für die Bauern?

Es ist uns in den letzten…