Erschienen in Ausgabe 7-2016Schlaglicht

Mehr Verbindlichkeit, mehr Spielräume, mehr Digitalisierung

Mutige Positionierung in der Rentendebatte eröffnet Versicherern neue Marktchancen

Von Reinhard KunzVersicherungswirtschaft

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Nicht genug, dass die Lebensversicherer wegen des Kapitalmarkts und der Digitalisierung um die Überlebensfähigkeit ihres Geschäftsmodells kämpfen. Nun werfen die angekündigten Reformen in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) und bei Riester die Frage auf, welche Rolle die Lebensversicherer in den Szenarien einer künftigen Altersvorsorgewelt noch spielen. Nach Zürich und Generali nun Ergo: Der Rückzug aus der klassischen Produktwelt oder gar der Run-off von Beständen wird zur Normalität. Bisher war die bAV bei den Lebensversicherern nahezu synonym mit klassischen Garantieprodukten. Auch Riesterverträge sind überwiegend so kalkuliert. Gibt also die LV-Branche die Altersvorsorge als zentrales Geschäftsfeld auf?
Die Gründe für diesen Rückzug liegen primär in der ökonomischen Logik der niedrigen Zinsen in Verbindung mit dem neuen Solvenzregime. Andererseits beobachten wir eine wachsende politische Stimmungslage, die heißt „Gesetzliche Rente stabilisieren, bAV ausbauen und Riester reformieren“. Es erscheint nicht realistisch, das Niveau der gesetzlichen Rente wieder anzuheben. Selbst ein Abbremsen des geplanten Sinkflugs kostet viele Steuermilliarden oder eine Anhebung des Beitragssatzes.

Etablierte Anbieter können Kollektive effizient verwalten

Weitgehend gemeinsamer Nenner ist, die betriebliche Altersversorgung auszubauen. Die bAV verfügt über ein von Politik und Sozialpartnern akzeptiertes Instrumentarium an Produkten und Verfahren. Gleichzeitig haftet ihr nicht der Geruch von (zu) hohen Provisionen an. Bis Herbst wollen das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und das Bundesfinanzministerium (BMF) einen Gesetzentwurf zur Reform der geförderten Altersvorsorge vorlegen.
Der ursprüngliche Nahles-Vorschlag mit Schaffung gemeinsamer Einrichtungen und der dominanten Stellung der Sozialpartner würde die bAV-Landschaft markant verändern. Die Lebensversicherer und besonders ihre Vertriebspartner würde es in dieser Form der bAV nicht mehr geben. Die Formel scheint einfach: Kosten runter ist gleich Versicherer raus. Seit wenigen Wochen liegen die beiden Gutachten vor, die das BMAS und das BMF in Auftrag gegeben hatten. Peter Hanau und Marco Arteaga diskutierten die Frage, wie das Anfang 2015 vorgestellte neue Sozialpartnermodell in die bestehende bAV-Landschaft verträglich eingefügt werden kann. Es gibt also Hoffnung. In Berlin scheint die Einsicht zu wachsen, dass das Sozialpartnermodell auch dann funktioniert, wenn bestehende Pensionskassen…