Erschienen in Ausgabe 7-2016Schlaglicht

Zu wenig im Portemonnaie für große Rentenausgaben

Die Deutschen schätzen die bAV. Trotzdem ist die Bereitschaft, dafür Geld auszugeben, vergleichsweise gering

Von Stephan Wildner und Anne Becker und Raphael ZayadehVersicherungswirtschaft

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Viele Unternehmen leisten hohe Investitionen, um ihren Mitarbeitern attraktive Nebenleistungen anzubieten. Die betriebliche Altersversorgung (bAV) spielt hier eine zentrale Rolle. Während die meisten Arbeitnehmer deutschland- und weltweit die bAV wertschätzen, gibt es auf Seiten der Unternehmen noch Nachholbedarf.
Welchen Stellenwert hat die bAV heute? Welche Gestaltungsmerkmale werden gewünscht? Und wie gut fühlen sich Mitarbeiter über das bAV-Angebot ihres Arbeitgebers informiert? Der Global Benefits Attitudes Survey 2015/2016 von Willis Towers Watson ist diesen Fragen nachgegangen und zeichnet ein genaueres Bild von der Einstellung und Erwartungshaltung der Arbeitnehmer.
Aus bekannten Gründen verliert die gesetzliche Rentenversicherung seit vielen Jahren an Wertschätzung und Bedeutung. Im gleichen Maße haben Arbeitnehmer weltweit erkannt, dass sie für ihre Grundversorgung im Alter mitverantwortlich sind. Zwar bleibt die gesetzliche Rentenversicherung die wichtigste Einkommensquelle im Ruhestand, aber der Notwendigkeit zusätzlicher Maßnahmen sind sich die meisten bewusst. Im internationalen Vergleich offenbart die Studie einen stärker ausgeprägten Pessimismus in Deutschland als in anderen Ländern:
Über drei Viertel der Arbeitnehmer hierzulande glauben, im Rentenalter mehr Probleme zu bekommen als die Generation ihrer Eltern. Global sind dies rund zwei Drittel der Arbeitnehmer. Je jünger die Befragten, desto weniger vertrauen sie darauf, dass die gesetzliche Rente ihnen ein angemessenes Einkommen bereitstellt.
Unsicherheit besteht auch hinsichtlich eigener privater Vorsorgemaßnahmen. Der Grund: Die lang anhaltende Niedrigzinsphase lässt die Attraktivität privater Geld- oder Versicherungsanlagen sinken. Im Dreisäulenmodell aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersversorgung und privater Vorsorge gewinnt die bAV deshalb an Bedeutung.
Auch international sind zwar viele Angestellte finanziell immer besser gestellt, doch Sorgen über die langfristige finanzielle Situation bleiben bestehen. Finanzkrisen, die Schnelllebigkeit des Wirtschaftslebens, die steigenden Kosten für das Gesundheitssystem – all dies trägt dazu bei, dass das Bedürfnis nach Sicherheit steigt und der Blick auf die zukünftige Lebenssituation kritisch ist. Der wichtigste Weg der Vorsorge – vor Immobilien, privater Altersvorsorge oder Arbeiten im Ruhestand – ist für die meisten die betriebliche Altersversorgung: 2015 bestätigen dies weltweit 72 Prozent so, 2013 waren es noch 65 Prozent der…