Erschienen in Ausgabe 7-2016Trends & Innovationen

Wegbegleiter und Krisenmanager

Versicherer zwischen Nullzins, digitaler Revolution und dem Aufbruch in eine sichere Zukunft

Von Dr. Michael HeiseVersicherungswirtschaft

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Seit den berühmten Worten Mario Draghis zur Rettung des Euro im Sommer 2012 kennen die Zinsen im Euroraum kein Halten mehr: Selbst die zehnjährige deutsche Benchmark-Rendite liegt inzwischen unter Null und auch die Spreads anderer Euroländer engten sich immer weiter ein. Neben den Unsicherheiten im wirtschaftlichen Umfeld tragen vor allem die massiven Anleihekaufprogramme der Europäischen Zentralbank zum Renditetief bei.
Diese Entwicklung hat gravierende Nachteile für die Sparer zur Folge. Zunächst wird es aufgrund ausbleibender Zinseinnahmen für private Haushalte schwieriger, die selbstgesteckten Vermögensziele zu erreichen. Der relativierende Hinweis der Zentralbanken, dass ja auch die Inflation sehr niedrig ist, kann kaum überzeugen, denn zu den wichtigsten Sparzielen der Menschen gehört neben der Altersvorsorge der Immobilienerwerb und die Vorsorge für Gesundheitsrisiken. In diesen Bereichen steigen die Preise mit hoher Dynamik an. Besonders gravierend sind die Auswirkungen der Null- oder Negativzinsen auf die Altersvorsorge. Alle kapitalgedeckten Systeme leiden unter den künstlich niedrig gehaltenen Zinsen, private Vorsorgevermögen, betriebliche Altersversorgungssysteme, Versorgungskassen der freien Berufe, Stiftungen etc. Für private Sparer gibt es keine Alternative als noch mehr zu sparen, um den Lebensstandard im Ruhestand einigermaßen absichern zu können. Hinzu kommt noch ein weiterer Effekt: Aufgrund des Renditetiefs an den Kapitalmärkten gibt es für Langfristsparer immer weniger Garantien, die ihnen langfristige Ertrags- und Planungssicherheit bieten. Die Anleger selbst müssen immer mehr Risiken schultern.

Abgesänge auf Lebensversicherung zu früh

Der Grund dafür ist, dass es bei Nullzinsen für Versicherer und andere Vermögensverwalter kaum möglich ist, deutlich über null liegende Garantien auszusprechen, weil diese Garantien eben durch sichere Anlagen mit langer Laufzeit hinterlegt werden müssen. Neue Garantiekonzepte sind daher entwickelt worden, die auch in einer Niedrigzinswelt im Vergleich zu anderen Produkten angemessene Erträge generieren. Die Kunden honorieren dies, und der Absatz der neuen Produkte läuft, auch wenn die Renditen zurückgehen. In den drei Jahren 2012 bis 2015 sind die Prämien der Lebensversicherer im Euroraum insgesamt um 19 Prozent gestiegen und der Anteil von Versicherungen und Pensionen an den gesamten Geldvermögen liegt nach wie vor über einem Drittel und damit fast so hoch wie alle Termin- und Sichteinlagen bei Banken…