Erschienen in Ausgabe 7-2016Trends & Innovationen

„Wettbewerb ist der beste Antreiber für Fortschritt“

PKV-Verbandsvorsitzender Uwe Laue über Kostenentwicklungen und Innovationsdruck in der privaten Krankenversicherung

Von Versicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Auf der PKV-Jahrestagung 2016 wurde über die Bedeutung der Gesundheitswirtschaft gesprochen und Bilanz gezogen. Wo eigentlich stehen die privaten Krankenversicherer heute?

Uwe Laue: Erfreulicherweise hält der Trend zu mehr privater Vorsorge an: So stieg die Zahl der privat Krankenversicherten zuletzt auf insgesamt 32,76 Millionen Policen. Die Zusatzversicherungen verzeichneten dabei einen Zuwachs um 1,7 Prozent auf 23,93 Millionen. Das zeigt, dass die Menschen Vertrauen in die Private Krankenversicherung haben. Dabei ist es natürlich hilfreich, dass die gesundheitspolitische Diskussion derzeit frei von irritierenden Zuspitzungen ist. Aber mit internen Reformen, wie der Erweiterung des Tarifwechselrechts, arbeitet die Branche auch selbst daran, dass dieses Vertrauen weiter gestärkt wird.

Die Zahl der Vollversicherten ist seit Jahren rückläufig. Warum ist das so?

Das hat ganz wesentlich mit einem Sondereffekt zu tun: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eilt seit einigen Jahren laut Statistischem Bundesamt von Rekordstand zu Rekordstand. Gleichzeitig geht die Zahl der Selbstständigen zurück – allein 2015 um 97.000. Infolgedessen mussten zigtausende vorher privatversicherte Selbstständige beim Wechsel in sozialversicherungspflichtige Anstellungen in die GKV wechseln, ob sie das nun wollten oder nicht.
Zudem wurde die gesetzliche Einkommensgrenze für den Wechsel in die PKV seit Jahren deutlich angehoben, allein für 2016 um 2,5 Prozent. Wer heute als Arbeitnehmer zur PKV wechseln will, muss 1.350 Euro mehr verdienen als letztes Jahr und sogar 5.400 Euro mehr als vor vier Jahren. Das schränkt den Kreis der Versicherten mit Wahlfreiheit immer mehr ein.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Beitragsentwicklung?

2015 und 2016 hat es für viele Millionen Privatversicherte gar keine Erhöhung gegeben oder nur geringe Anpassungen im kleinen einstelligen Prozentbereich. Für viele Versicherte gab es sogar Beitragssenkungen. Da, wo es doch zu stärkeren Anhebungen gekommen ist, beobachten wir in der Regel einen entsprechenden Anstieg der tatsächlichen Ausgaben für medizinische Leistungen in den jeweiligen Tarifkollektiven. Hinzu kommt oft ein „Nachhol-Effekt“ von Kostensteigerungen aus den Vorjahren, in denen die rechtlich vorgeschriebenen Schwellenwerte nicht erreicht wurden. Dann war eine Beitragsanpassung nicht erlaubt, sodass sich die Kostenentwicklung quasi aufgestaut hat. Um diesem Effekt zu begegnen, hat die PKV Vorschläge…