Erschienen in Ausgabe 7-2016Trends & Innovationen

Konstruktive Austrittsverhandlungen

Der Brexit hat weniger ökonomische als politische Folgen

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Der durch Volksabstimmung erzwungene Austritt Großbritanniens aus der EU trifft die Versicherer nur indirekt. Nach Einschätzung von S&P ist der Rating-Druck auf die Versicherer der Insel geringer als bei den Banken. Fitch sorgt sich vor allem um die Anlagen in Staatspapiere durch die britischen Versicherer, wird aber kurzfristig keine Herabstufungen vornehmen. Um einen Prozentpunkt wird der Brexit das Wirtschaftswachstum in Großbritannien dämpfen, glaubt Munich-Re-Ökonom Michael Menhart. Die Unwägbarkeiten in der Euro-Zone werden durch den Austritt Großbritanniens noch zunehmen. Welche politischen Verwerfungen das Insel-Votum nach sich ziehen wird, ist kaum zu ermessen. Es kann auch gut gehen. Wolfgang Schäuble will mit Großbritannien „konstruktive Austrittsverhandlungen“ führen und denkt mittelfristig an ein Assoziierungsabkommen mit dem Inselstaat. EU-Parlamentschef Martin Schulz und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker fordern hingegen die Briten auf, den Austritt möglichst zügig zu vollziehen.
Der Zugang zu den Märkten der EU wird sich für die Briten erschweren. Doch die meisten angelsächsischen Versicherer agieren in Kontinentaleuropa mit irischen oder schweizerischen Gesellschaften. Canada Life operiert von Dublin aus, die schottische Standard Life könnte bei einem Austritt ihres Heimatlandes aus dem Vereinigten Königreich weiter als Niederlassung fungieren. Hiscox wird eine Lösung für sein Deutschland-Geschäft suchen und finden. ba