Erschienen in Ausgabe 7-2016Schlaglicht

„Anrechnung auf die Grundsicherung muss gelöst werden“

Andreas Wimmer, Vorstand der Allianz Leben, plädiert für ein Fördermodell für Geringverdiener

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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„Anrechnung auf die Grundsicherung muss gelöst werden“

Andreas Wimmer, Vorstand der Allianz Leben, plädiert für ein Fördermodell für Geringverdiener

Versicherungswirtschaft: Was muss bei einer Reform der bAV besser werden?

Andreas Wimmer: Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, die betriebliche Altersversorgung zu stärken. Insbesondere soll ihre Verbreitung bei kleineren und mittleren Unternehmen und ihre Nutzung durch Arbeitnehmer auch mit geringerem Einkommen gefördert werden.
Um dies zu erreichen, sollte die Komplexität aus Arbeitgebersicht möglichst gering gehalten und zielgerichtete Anreize für Arbeitnehmer gesetzt werden. Dazu enthält insbesondere das aktuelle, vom BMF in Auftrag gegebene Gutachten von Prof. Kiesewetter gute Ideen und Anregungen wie zum Beispiel ein Fördermodell für Geringverdiener in der betrieblichen Altersversorgung. Auch das Thema der Anrechnung von Betriebsrenten auf die Grundsicherung muss unbedingt gelöst werden. Ein weiteres Handlungsfeld liegt darin, auch Personen mit gebrochenen Erwerbsbiografien besser in die betriebliche Altersversorgung einzubinden.

Was halten Sie von dem Sozialpartnerschaftsmodell?

Der ausschließliche Fokus auf tarifvertragliche Regelungen, wie sie das Sozialpartnerschaftsmodell vorsieht, passt nicht zur Zielsetzung, kleine und mittlere Unternehmen für die betriebliche Altersversorgung zu gewinnen. Diese sind ja vielfach bewusst nicht tarifgebunden, sodass diese Ansätze für sie und ihre Arbeitnehmer keine Lösung wären. Zugleich würden durch die Vorschläge bestehende Standards in der betrieblichen Altersversorgung aufgegeben und die Komplexität eher erhöht werden. Entsprechend zurückhaltend sind auch viele Reaktionen der Verbände, sei es von Gewerkschaften oder auch Arbeitgeberverbänden.

Glauben Sie, dass der große Wurf noch in dieser Legislaturperiode gelingt?

Zunächst bin ich vorsichtig mit dem Ausdruck „großer Wurf“. In der Altersvorsorgepolitik ist Detailarbeit nötig und vielfach ist dabei auch zielgerichtete Evolution der bessere Weg. Und ich halte es durchaus für möglich, dass es der Politik gelingt, ein stimmiges Maßnahmenpaket zur Stärkung der betrieblichen Altersversorgung auf den Weg zu bringen.

Ein Opting-out-Modell ist offensichtlich vom Tisch. Zu Ihrem Bedauern?

Ich glaube, hier sollte man differenzieren, was man unter Opting-out versteht. Wenn man darunter Angebotsverpflichtungen für Arbeitgeber versteht, hätte ich Zweifel, dass diese tatsächlich helfen. Umgekehrt halte ich Modelle auf freiwilliger…