Erschienen in Ausgabe 7-2016Märkte & Vertrieb

Nicht in Manndeckung genommen

Öffentliche Versicherer wachsen schneller als der Gesamtmarkt und sehen keinen Zwang zu Fusionen

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Sie sind in ihrer Ausprägung eine Eigenheit der deutschen Versicherungswirtschaft: die öffentlichen Versicherer. Vor allem Regionalität und Dezentralität sind ihre Markenzeichen, die sowohl Fluch und Segen sind. Die regionale Verortung macht die öffentlichen Versicherer in ihrem Geschäftsgebiet häufig zum Marktführer. Sie profitieren von ihren regionalen Kenntnissen. Gleichzeitig fällt es schwer bestimmte Bereiche, etwa im Back-Office effizient zu bündeln. An Fusionen ist da häufig gar nicht zu denken.
Dass diese neben unternehmensindividueller Optimierungsmaßnahmen und verstärkter Kooperationen „auch sinnvoll sein könnten“, räumte auch Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl, Vorsitzender des Verbandes der öffentlichen Versicherer und Vorstandschef der SV Sparkassenversicherung, auf der diesjährigen Verbandspressekonferenz in Düsseldorf Ende Mai ein. Fusionspläne würden aber definitiv in die Entscheidungshoheit der Eigentümer und Träger fallen. Dort sei ein Willensbildungsprozess nicht einfach, da an den elf öffentlichen Erstversicherergruppen insgesamt 28 unterschiedliche Eigentümer und Träger beteiligt seien. „Alle sind versicherungstechnisch sehr gut unterwegs. Das gibt uns Spielräume und zwingt zu nichts“, betonte Wolff von der Sahl.
Die aktuellen Zahlen geben ihm hier recht. Insgesamt wuchs die öffentliche Gruppe 2015 zum dritten Mal in Folge schneller als der Gesamtmarkt: Erzielt wurde ein Beitragsplus von 3,3 Prozent auf 21,30 Mrd. Euro. Der Marktanteil stieg auf 11,2 (10,9) Prozent. Und in Anspielung auf die Aussage der Bafin zur Kontrolle gefährdeter Unternehmen sagte er: „Wir haben keine Manndeckung in der Gruppe.“

Keine konkreten Cyber-Produkte

Als wichtiger Marktplayer müssen sich die öffentlichen Versicherer auch mit dem Thema Cyber-Versicherung auseinandersetzen, das die Branche bereits seit einiger Zeit beschäftigt. Die öffentlichen Versicherer haben zwar schon gemeinsame Bedingungsempfehlungen für Cyber-Deckungen, zögern aber noch mit konkreten Produkten. Mit Ausnahme einer Deckung für Kommunen (BGV Badische Versicherungen) und einer Internetdeckung für Private (SV) bieten die Öffentlichen noch keine Cyber-Policen an. „Die Bedingungsempfehlung ist sehr komplex und erstreckt sich auf alle Sparten, die erlaubt sind; also Sach-, Haftpflicht und Vermögensschäden“, sagte Sabine Krummenerl, Industrievorständin bei der Provinzial Rheinland, bei der Jahrespressekonferenz des Verbandes öffentlicher Versicherer. Krummenerl leitet sowohl bei den Öffentlichen…