Erschienen in Ausgabe 7-2016Märkte & Vertrieb

Wenn das Meer ein Grundstück halb verschlingt

Großbritannien rüstet sich für neue Schadenszenarien in den Küstenregionen

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Große Beachtung findet in der britischen Presse aktuell das Verschwinden wertvoller Grundstücke an der Collaroy Beach nördlich von Sydney. Dieser Fall könnte eine gewisse Präzedenzwirkung auch für in Großbritannien anstehende Schäden entwickeln. Die von starken Winden aufgepeitschte Springflut vom Mai hatte dort manches direkt am Meer gelegene Grundstück um 15 Meter verkürzt. Vorgärten, Pools und Terrassen waren dem zum Opfer gefallen, einige Gebäude wurden baufällig. Der Marktwert mancher drastisch verkleinerten Grundstücke dürfte sich auch ohne Berücksichtigung der Sachschäden deutlich reduziert haben. Die Gerichte werden demnächst klären müssen, wie die wirtschaftlichen Schäden versichert sind.
Der australische Insurance Council gibt an, dass die meisten der betroffenen Policen einen sogennanten Ausschluss für „Action of the Sea“ aufweisen. Nun fragt sich, wie der High Court in Sydney diese Policen interpretieren wird und wie im Einzelfall zwischen Sturmschäden und Schäden durch Wellen differenziert werden mag. Auch für die hypothekengewährenden Banken dürfte die Frage entscheidend sein: Hat jemand mit zehn Prozent Eigenkapital ein A-Dollar zwei Millionen-Objekt erworben und der Wert halbiert sich, so wird auch die Lage der kreditgebenden Bank prekär. War der Ausschluss wirksam, so könnte der eine oder andere Geschädigte versuchen, seinen Versicherungsmakler wegen unzureichender Beratung haften zu lassen. Sollte der Makler darauf hinweisen können, kein Versicherer wäre bereit gewesen, eine umfassendere Deckung zu gewähren, so könnte er dennoch für den unterlassenen Hinweis auf den eigeschränkten Deckungsumfang haften, wenn der korrekt aufgeklärte Versicherungsnehmer ggf. den Kauf des Grundstücks unterlassen hätte.

Transparente Gehälter

In Großbritannien sind Gesellschaften dazu verpflichtet, im Anhang zum Jahresbericht die Gesamtbezüge des CEO in einer einzigen Ziffer bekanntzugeben. Einzuschließen sind Grundbetrag, Boni, Pensionszusagen, sonstige Vorteile sowie auch der Wert von Aktienbezugsrechten. Nigel Wilson, CEO von Legal & General, bemängelte in seiner Eigenschaft als Chair der Investment Association, einer Lobbygruppe von institutionellen Investoren, dass die den Leitern britischer Publikumsgesellschaften gewährten Vergütungen „opaque and difficult to follow“ seien. Der Bericht empfahl eine leichter verständliche Strukturierung der Kompensationspakete sowie den Verzicht auf externe Berater.
Peinlicherweise musste dann kurz vor der eigenen…