Erschienen in Ausgabe 6-2016Köpfe & Positionen

Zur Debatte: 70 Jahre Versicherungswirtschaft

Transparenz-Erfordernisse bleiben nicht bei den Kosten stehen

Von Dr. Gerhard SchickVersicherungswirtschaft

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Zur Debatte: 70 Jahre Versicherungswirtschaft

Transparenz-Erfordernisse bleiben nicht bei den Kosten stehen

Floskeln von Wendepunkten und Paradigmenwechseln werden manchmal leichtfertig bemüht, um einen runden Jahrestag mit bedeutendem Inhalt aufzublasen. Im Fall der Versicherungswirtschaft besteht diese Gefahr nicht, denn sie steht tatsächlich vor gewaltigen Herausforderungen: Die Auswirkungen der Finanzkrise sind für Wirtschaft und Politik noch nicht überwunden, althergebrachte Vertriebsstrukturen müssen reformiert, die Konsequenzen des Klimawandels angegangen werden. Jahrestage eröffnen eine Gelegenheit zum Rück- und Ausblick. Die Perspektive hierfür bietet das von Alex Möller zur Erstausgabe der Versicherungswirtschaft verfasste Geleitwort: „Der im Wortsinne ‚selbstverständliche‘ Zweck der Branche muss die Verhinderung individueller und volkswirtschaftlicher Schäden sein. Ein solches der Demokratie dienendes Selbstverständnis ist keine Jahrestags-Pathetik, sondern das Axiom, auf dem Wirtschaft wie Politik dem Gemeinwohl dienende Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen haben.“
Dazu gehört eine transparente und am Interesse des Kunden ausgerichtete Beratung. Anreize für den Beratenden, provisionsstarken Produkten den Vorzug vor anderen zu geben, stehen dazu im Widerspruch. Richtig wäre deshalb der Übergang zu einer Situation, in der alle Produkte netto, also provisionsfrei zur Verfügung stehen, sodass das Produkt und die Vergütung der Beratung separiert sind. Erst dann gibt es für unterschiedlich vergütete Beratungsansätze gleiche Chancen, erst dann einen Wettbewerb um gute Produkte und gute Beratung.
Noch vor wenigen Jahren sind kritische Stimmen, dass die Vertriebskosten zu hoch sind, als abwegig abgetan worden. Heute ist das generelle Ansicht. Nur durch eine deutliche Kostensenkung bei Abschlussgebühren und anderen Vertriebskosten haben Lebensversicherer eine Chance im Markt. Dazu kommt das Thema Transparenz. Es ist heute niemandem mehr vermittelbar, dass Kunden auch mit fachlicher Hilfe nicht nachvollziehen können, ob die erhaltene Auszahlung dem entspricht, was dem Kunden zusteht. Ähnliches gilt für die Garantieverzinsung. Sie wird dadurch irreführend überzeichnet, dass sie nicht die Rendite auf die gezahlten Beiträge abbildet, sondern auf das, was die Versicherer nach Vertriebsprovisionen und anderen Kosten noch von den Beiträgen übrig lassen.
Doch Transparenz-Erfordernisse bleiben nicht bei den Kosten stehen. Viele Menschen fragen nach der Erfahrung…