Erschienen in Ausgabe 6-2016Unternehmen & Management

VGH: Niedrigzinsen, Wiesenhof und Pleitebank Hypo Alpe Adria bereiten Probleme – Stille Reserven aufgelöst

Von Claudia Schmidt-WehrmannVersicherungswirtschaft

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Die Versicherungsgruppe Hannover, Marktführer in Niedersachsen, sieht sich wie alle anderen Anbieter durch die Nullzinspolitik der EZB in die Enge getrieben. Wie Vorstandschef Hermann Kasten bei der Vorlage der Bilanz 2015 erklärte, sind die Versicherer auf Kapitalerträge sowohl in der Lebens- als auch in der Schaden- und Unfallversicherung angewiesen. Daher gehe kein Weg an höheren Beiträgen vorbei. Zwar versuche der öffentlich-rechtliche Versicherer mit Kostensenkungen Beitragserhöhungen in Schach zu halten, doch gehe letztlich daran kein Weg vorbei. Schon jetzt zögen die Prämien branchenweit an.
Mit dem Start 2016 zeigte sich Kasten angesichts der unveränderten Rahmenbedingungen sehr zufrieden. Die Landschaftliche Brandkasse verbuchte in den ersten Monaten ein Beitragsplus von 2,8%, allerdings rechnet er im Vergleich zum Vorjahr insgesamt mit einem schwächeren Wachstum von 2,4% (2015: 3,2%). Dazu sollen auch „moderate“ Beitragserhöhungen beitragen. So wurden erneut die Kfz-Prämien in der Autoversicherung angehoben, und zwar um gut 4% brutto. Verkraften muss die Brandkasse den neuerlichen Brand bei der Geflügelschlachterei Wiesenhof. Der Großbrand in Lohne Ende März dürfte die VGH mit 21 Mio. Euro belasten, nachdem sie für einen Brand in einem bayerrischen Wiesenhof-Betrieb im vergangenen Jahr bereits 18,5 Mio. Euro aufbringen musste. „Ein drittes Feuer wird es nicht geben“ sagte Kasten, denn die Brandkasse hat sich von dem Großkunden getrennt. Das Neugeschäft der Provinzial Leben verlief mit einer Steigerung von mehr als 20% in den ersten Monaten „extrem gut“. Dieser Zuwachs dürfte sich aber im Jahresverlauf „abschleifen“, da das Vergleichsquartal 2014 sehr schwach verlaufen war. Daher rechnet Kasten erneut mit einem leichten Minus bei den laufenden Beiträgen. Bei der Provinzial Kranken erwartet Kasten ein Beitragswachstum auf Vorjahresniveau (4%). Potenziale sieht er vor allem bei den Zusatzbeträgen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die juristischen Auseinandersetzungen wegen des 200-Mio.-Euro-schweren Investments bei der österreichischen Pleitebank Hypo Alpe Adria dürfte die VGH noch Jahre beschäftigen. Bei dem Investment handelt es sich um Nachranganleihen mit der Haftung des Landes Kärnten. Die Gewährträgerhaftung hat Wien jedoch außer Kraft gesetzt. Die Österreicher verweigern die Rückzahlung. 2014 hatte die VGH bereits Wertberichtigungen in Höhe von 40,3 Mio. Euro vorgenommen.
Im Gj. 2015 hat die Versicherungsgruppe ihre gesamten…