Erschienen in Ausgabe 6-2016Unternehmen & Management

„Eine wirklich große Reform ist nicht zum Nulltarif zu bekommen“

Richard Herrmann, Vorstand von Heubeck, über die Zukunft der bAV

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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„Eine wirklich große Reform ist nicht zum Nulltarif zu bekommen“

Richard Herrmann, Vorstand von Heubeck, über die Zukunft der bAV

Versicherungswirtschaft: Wir haben jetzt zwei Gutachten zur Zukunft der bAV vorliegen. Wie schätzen Sie diese ein?

Richard Herrmann: Das Gutachten im Auftrage des Bundesarbeitsministeriums öffnet den Weg in die reine Beitragszusage. Wenn also lediglich eine Zielrente vereinbart würde, wäre diese der Höhe nach völlig unverbindlich. Allerdings glaube ich nicht, dass sich das in der Praxis so durchsetzt. Vielmehr gehe ich davon aus, dass die Versorgungsträger Garantien geben werden, weil das Risiko ansonsten einseitig bei den Arbeitnehmern läge.

Wie könnten solche Garantien aussehen?

Grundsätzlich würden sie von den Versorgungsträgern gegeben. Allerdings müssten sich die Versorgungsträger in einem neuen Pensions-Sicherungs-Verein gegen Insolvenz absichern. Da die Arbeitgeber bei der Haftung außen vor sind, müssten wohl die Arbeitnehmer die Insolvenzsicherung finanzieren. Das wäre der Preis für die Garantie. Indem man die Arbeitgeber von sämtlichen Risiken freistellt, will man mehr Arbeitgeber für eine Betriebsrente gewinnen. Ob die pure Beitragszusage politisch gewollt ist und faktisch genutzt wird, sei dahingestellt.

Altersvorsorge braucht aber ein Mindestmaß an Sicherheit.

Natürlich. Kein Arbeitnehmer nimmt Geld in die Hand, wenn er nicht weiß, ob am Ende etwas für ihn herauskommt. Es bleibt abzuwarten, ob die Gewerkschaften in dem Sozialpartnermodell eine Variante ohne Garantien mittragen. Und wenn wir das Thema Solvency II sehen, wird die Sache noch komplizierter. Denn nach dem bisherigen Verständnis unterliegen Pensionskassen und Pensionsfonds nicht dem neuen Aufsichtsrecht, weil die Arbeitgeberhaftung und – beim Pensionsfonds zusätzlich – der Pensions-Sicherungs-Verein dahinterstehen. Was passiert, wenn die Arbeitgeberhaftung wegfällt? Dann wird sich die Insolvenzsicherung auch an den Anforderungen von Solvency II orientieren mit der Folge, dass zusätzliche Mittel für die Risikotragung beiseitegelegt werden müssen.

Wie beurteilen Sie das Gutachten des Bundesfinanzministeriums?

Hier geht es um steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Hemmnisse, die Geringverdiener davon abhalten, bAV zu machen. Im Ergebnis gibt es zwei wesent­liche Empfehlungen. Zum einen soll es für Arbeitgeber die Pflicht geben, die bei der Entgeltumwandlung eingesparten SV-Beiträge in die betriebliche Altersversorgung ihrer Mitarbeiter einzubringen. Damit…