Erschienen in Ausgabe 6-2016Trends & Innovationen

Pensionskassen unter Druck

Arbeitgeber sollen bei der Sanierung helfen – Zinszusatzreserve soll weiter ansteigen

Versicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ist besorgt: Die niedrigen Zinsen bringen die Pensionskassen in ernsthafte Gefahr (siehe S. 58). Der für die Versicherungsaufsicht zuständige Exekutivdirektor Frank Grund warnte im Rahmen der Jahrespressekonferenz: „Möglicherweise können bald einzelne Pensionskassen nicht mehr aus eigener Kraft ihre Leistungen in voller Höhe erbringen.“ Die Pensionskassen haben dies ebenfalls erkannt und bereits begonnen, zusätzliche Rückstellungen zu bilden, berichtete Grund, aber dies würde nicht ausreichen angesichts eines durchschnittlichen Rechnungszinses von immer noch 3,28 Prozent. „Die lassen sich in diesen Tagen nur schwer stemmen“, kommentiert der oberste Versicherungsaufseher. Zu der genauen Zahl der betroffenen Pensionskassen äußerte er sich allerdings nicht. Man führe mit den betroffenen Unternehmen bereits intensive Gespräche. Um die Misere zu lösen, will Grund auch die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen. Für den Fall, dass diese hier nicht freiwillig nachbessern, gibt es die Sanierungsklausel, die zunächst Leistungskürzungen vorsehe. Nach dem Betriebsrentengesetz sei über die Subsidiärhaftung der Arbeitgeber in der Pflicht, diese Lücke aufzufangen. „Er muss dafür einstehen, dass seine Mitarbeiter die volle Leistung erhalten“, betonte Grund.
Weniger Sorgen bereiten dem Versicherungsaufseher hingegen die Lebensversicherer, auch wenn außer Frage stehe, dass das Niedrigzinsniveau diese belaste. Dass sie sich verstärkt auf riskante Vermögenswerte stürzten, um ihre Garantiezinszusagen erfüllen zu können, könne die Bafin derzeit aber nicht bestätigen – auch nicht, was die kleineren Unternehmen angehe.
Probleme könnte es allerdings bei der Zinszusatzreserve geben, denn hier will Frank Grund die Daumenschrauben weiter anziehen. „Alles andere wäre fahrlässig“, lautet sein Credo. 2015 mussten die Lebensversicherer zehn Mrd. Euro zurückstellen. In den kommenden Jahren sollen sich die Unternehmen ein noch dickeres Polster zulegen, um Garantien aus Altverträgen abzusichern.

Notfallpläne für Lebensversicherer

Dem Internationalen Währungsfonds IWF gehen diese Sicherungsmaßnahmen nicht weit genug. IWF-Missionschefin Michaela Erbenova fordert von der Bafin, Notfallpläne von den gefährdeten Unternehmen zu verlangen. Grund sieht die Situation nicht so kritisch: „Eine gute Hand voll Unternehmen hat aufgrund ihrer Prognoserechnungen Schwierigkeiten, ohne zusätzliche Maßnahme die Zinszusatzreserve in den nächsten Jahren zu…