Erschienen in Ausgabe 6-2016Trends & Innovationen

„In einigen Bereichen wird zu viel operiert“

Rainer Hakimi, Gesellschaftsarzt der Halleschen, über unwirksame Therapiemethoden und den Schutz von Patienten

Versicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

„In einigen Bereichen wird zu viel operiert“

Rainer Hakimi, Gesellschaftsarzt der Halleschen, über unwirksame Therapiemethoden und den Schutz von Patienten

Ihre aktuellen Erkenntnisse: Wird zu viel operiert und unnötig medikamentiert?

Ich bin der Meinung, dass in einigen Bereichen tatsächlich zu viel operiert wird. Dies gilt insbesondere für arthroskopische Eingriffe am Kniegelenk und zum Teil auch für Bandscheibenoperationen und aufwändige dorsale Instrumentierungen im Bereich der Wirbelsäule. Oftmals bringen diese Eingriffe nicht die vom Patienten gewünschte Schmerzfreiheit. Eine konservative Therapie mit Gewichtsabnahme und täglichen krankengymnastischen Eigenübungen ist häufig sogar erfolgreicher.
Es ist nicht selten so, dass im CT sichtbare Bandscheibenveränderungen nicht der Grund für die schmerzhaften Beschwerden sind. Ein weiteres Beispiel für teilweise unnötige oder unverhältnismäßige Therapie sind andererseits intraartikuläre Injektionen ins Kniegelenk, die von manchen Ärzten behandlungstäglich und dann auch noch mit Präparaten von nicht erwiesener Wirksamkeit durchgeführt werden. Bei jeder einzelnen intraartikulären Injektion besteht die Gefahr einer schwer therapierbaren Kniegelenkseiterung und einer Knorpelläsion. Die Schaden/Nutzen-Relation ist dabei für den Patienten sehr ungünstig.

Welchen Nutzen versprechen Sie sich aus der Stichprobe? Welche Rolle spielt neben Kosteneinsparungen der Schutz der Gesundheit des Patienten?

Es ist weitgehend unerforscht und unveröffentlicht, welche Aufgaben Gesellschaftsärzte für die private Krankenversicherung erbringen. Mit den Stichproben, die ich seit einigen Jahren durchführe, möchte ich etwas Licht in die bisher noch dunkle Landkarte der versicherungsmedizinischen Beratung bringen.
Insofern sind nicht Kosteneinsparungen der Anlass für meine Untersuchungen.
Zwar weiß ich seit Beginn meiner Tätigkeit vor über 20 Jahren, dass Gesellschaftsärzte für ihre Versicherungsunternehmen Kosteneinsparungen in Millionenhöhe erwirken. Berechnet und belegt habe ich diese erstmals vor einigen Jahren. Das steht aber nicht im Vordergrund der Untersuchungen. Aus den über 110.000 versicherungsmedizinischen Anfragen, die ich seit 1993 beurteilt und beantwortet habe, ergeben sich auch vielfältige Aspekte, die dem Schutz der Patientengesundheit dienen, beispielsweise zum Nutzen der ärztlichen Zweitmeinung vor Operationen oder eine besondere Aufklärungspflicht des Arztes bei Anwendung von alternativen Therapien, die keine erwiesene…