Erschienen in Ausgabe 6-2016Trends & Innovationen

Weltbank führt Pandemie-Versicherung ein

Erstmals werden Cat Bonds zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten eingesetzt

Versicherungswirtschaft

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Mers, Ebola, Zika. Pandemien umrunden den Globus – mit erheblichem wirtschaftlichen Schadenpotenzial. Weltbank-Präsident Jim Yong Kim fürchtet sich besonders vor den sich auf dem Luftweg ausbreitenden Erkrankungen wie der Spanischen Grippe aus dem Jahr 1918: „Modellen zufolge würde ein ähnlicher Ausbruch heutzutage mehr als 33 Millionen Opfer in 250 Tagen fordern. Die Kosten würden sich auf 4,8 Prozent des weltweiten BIP belaufen – also mehr als 3,6 Bil. US-Dollar.“
Nun hat die Weltbank unter der Bezeichnung „Pandemic Emergency Financing Facility (PEF)“ ein 500 Mio. US-Dollar schweres Paket zum Schutz vor Pandemien in 77 Entwicklungsländern geschnürt. Zu den Projekt­initiatoren gehört auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ab Ende 2016 soll die Fazilität greifen. Dadurch wird der erste Versicherungsmarkt für Pandemierisiken weltweit geschaffen. Japan, das die G7-Präsidentschaft innehat, verpflichtete sich zum ersten finanziellen Beitrag in Höhe von 50 Mio. US-Dollar für die neue Initiative. Im Rahmen der PEF werden in der auf drei Jahre angelegten Versicherungskomponente Mittel aus Rückversicherungsmärkten mit den Gewinnen der von der Weltbankgruppe emittierten Katastrophenanleihen kombiniert.
Ebenfalls umfasst die Fazilität eine ergänzende Bargeldkomponente. Dies stellt den ersten Einsatz von Cat Bonds der Weltbank zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten dar. Der Mechanismus sei eine Reaktion auf das kollektive Versagen beim Ebola-Virus, betont Jim Yong Kim. Nach dem ersten identifizierten Fall brauchte die WHO acht Monate, um die Ebola-Epidemie als Notfall für die öffentliche Gesundheit einzustufen. Der Virus verursachte bis heute Kosten von zehn Mrd. US-Dollar. In der Folge wurden zahlreiche Reformen und eine Budget­erhöhung auf der gerade abgeschlossenen Weltgesundheitsversammlung in Genf verabschiedet.dg