Erschienen in Ausgabe 6-2016Märkte & Vertrieb

Strampeln gegen die Kostenexplosion

Private Krankenversicherer wollen ihre Leistungsausgaben reduzieren

Von Rafael KurzVersicherungswirtschaft

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Seit 2004 haben sich die Leistungsausgaben der Privaten Krankenversicherer um knapp 50 Prozent erhöht. Die Zahl der Vollversicherten blieb indes mit insgesamt 8,9 Millionen (2004: 8,3) vergleichsweise konstant. Allein die Zusatzversicherung für diese Kostenexplosion verantwortlich zu machen, greift zu kurz, auch wenn hier fast zehn Millionen Verträge mehr zu betreuen sind als noch zehn Jahre zuvor (+53%). „Die Aufwendungen für Leistungsausgaben spielen derzeit eine größere Rolle als Aufwendungen zur Bildung von Alterungsrückstellungen“, heißt es bei der Central Krankenversicherung. Wenn also im Schnitt ein Kunde 2,4 Rechnungen pro Jahr einreicht, wie Assekurata jüngst gemeldet hat, geht es für den Versicherer um weit mehr, als mit Service und professioneller Abwicklung zu punkten.
Johannes Heyers, Professor an der Universität Münster, plädiert für ein frühzeitiges Gegensteuern. Es geht ihm darum, Übermaßbehandlungen und solche, bei denen Preis und Leistung in einem auffälligen Missverhältnis stehen, im Vorfeld zu verhindern. Die Crux für den Versicherungsrechtler: „Patienten, denen die nötigen medizinischen und versicherungsrechtlichen Kenntnisse fehlen, sind regelmäßig im Vorhinein nicht in der Lage zu beurteilen, ob ärztliche Diagnostik und Therapie notwendig, angemessen und erstattungsfähig sind.“ Die Hauptverantwortlichen für die Kostenexplosion sieht er vielmehr in der Ärzteschaft. Informationsasymmetrien würden diese profitmaximierend ausschöpfen. Eine aktuelle Studie der Universität Bielefeld bestätigt Heyers: Demnach sind 54 Prozent der Deutschen bei gesundheitsrelevanten Informationen überfordert. Sie können die Behandlungsoptionen der Ärzte nicht ausreichend beurteilen oder einschätzen, wann eine Zweitmeinung sinnvoll wäre.

Ein Zuviel an Behandlung ist schädlich

Heyers mahnt in einem aktuellen Aufsatz in Versicherungsrecht: Nur mit der Einsicht, dass ein Zuviel in der Behandlung schädlich ist, könne das duale System erhalten bleiben. Nicht nur im Sinne der Kostendämpfung für die Versichertengemeinschaft. „In der medizinischen Fachwelt wird zunehmend betont, dass weniger Diagnostik und Thera­pie auch für den einzelnen Patienten von großem Vorteil sein können“, stellt er fest. Es brauche standardisierende Richtlinien, auch in der PKV. Im Einzelfall soll eine Kommission bereits im Vorfeld klären, ob Therapien angeraten sind. „Die Einschaltung des Ombudsmann bietet nach meiner Auffassung keine vorzugswürdige Lösung“, fügt er an. „Das Verfahren…