Erschienen in Ausgabe 6-2016Schlaglicht

Bestnoten und Bonitäten

Im Rating-Prozess werden Versicherer einer harten Performance-Prüfung unterzogen – sowohl qualitativ wie quantitativ

Von Dr. Stephan KalbVersicherungswirtschaft

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Unternehmen außerhalb der Versicherungsbranche greifen hauptsächlich zur Unterstützung von Fremdkapital-Emissionen auf Ratings zurück. Diese werden häufig von den Investoren gefordert – zumal ein gutes Ergebnis die Emissionskonditionen positiv beeinflusst. Auch für Versicherer spielt dieses Motiv eine wichtige Rolle. Im Insurance-Business werden Ratings zudem zur Unterstützung für das Geschäft im engeren Sinn eingesetzt. Fitch zum Beispiel unterscheidet aufgrund verschiedener Risikoperspektiven zwischen dem Emittentenausfallrating und dem Finanzstärkerating.
Im operativen Geschäft haben sich Ratings in einigen Geschäftsfeldern als Gradmesser für die Zahlungsfähigkeit eines Versicherers aus Kundenperspektive etabliert. Allen voran im globalen Rückversicherungsgeschäft, wo sie unabdingbar für ein erfolgreiches Agieren im Markt sind. Die Käufer von Rückversicherungen haben an einem guten Rating des Rückversicherers Interesse, da die Qualität des Rückversicherungsschutzes, gemessen am Rating, bei der Bewertung der eigenen Kapitalausstattung durch die Aufsichtsbehörden berücksichtigt wird. Naturgemäß haben Erstversicherer auch ein Eigeninteresse an einem Rating ihres Rückversicherungspartners, vor allem wenn der Rückversicherer in einem der Offshore-Märkte oder in einem nur schwach regulierten Versicherungsmarkt residiert. Dann ersetzt das Rating zu einem gewissen Grad auch fehlende Marktregulierungen oder die fehlende bzw. schwache Finanzaufsicht.

Interaktion auf operativer Ebene

Bei Erstversicherern haben sich die Benotungen als Verkaufshilfe für Versicherungsprodukte etabliert. Besonders im Maklervertrieb und bei der Gewinnung von Mandaten für die betriebliche Altersvorsorge sind sie heute meist unabdingbar. Ein vertrieblich motiviertes Rating, ob in der Rück- oder in der Erstversicherung dürfte nur sinnvoll sein und positiv wirken, wenn es im Investment-Grade-Bereich, d.h. mindestens bei BBB− oder darüber liegt. Ratingveränderungen, sowohl positiv als auch negativ, dürften entsprechende Auswirkungen auf zukünftige Vertriebserfolge haben.
Zur Vergabe von Ratings für Versicherungsunternehmen verwendet Fitch insgesamt zwölf Kriterien, davon sind fünf qualitativ und sieben quantitativ. Die qualitativen Kriterien umfassen die externen Rahmenbedingungen des Versicherungsunternehmens, Länderrisiken, sowie das operative Umfeld. Ferner spielen Faktoren wie die Marktstellung und die Größe des Versicherungsunternehmens, die Rechtsform und Eigentümerschaft sowie die…