Erschienen in Ausgabe 6-2016Unternehmen & Management

Bühnenstücke mit besonderen Momenten

Hauptversammlungen stehen für Transparenz und klare Ansagen. Erst der Blick aufs Detail zeigt ihre unterhaltsamen Seiten.

Von Versicherungswirtschaft

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Stundenlang wird dem Ärger über Konzern-Verfehlungen Luft gemacht, so mancher Managementstuhl zum Wackeln gebracht und Vorstandsbosse ins Schwitzen. Es ist Hauptversammlung. Vis-à-vis zum Aktionärsvolk müssen die Unternehmenschefs ihre Karten auf den Tisch legen und aufkommende Fragen ausführlich beantworten. Ganz nach den Prinzipien des demokratischen Wertekanons – mit direkter Beteiligung, einem Stimmrecht für alle, Transparenz und Auskunftspflicht. 410 Paragrafen im Aktiengesetz bilden die Grundlage. Dass es den professionell inszenierten Corporate-Events an skurrilen und überraschenden Momenten nicht fehlt, zeigte sich in diesem Jahr exemplarisch auf dem Shareholders Meeting des Stuttgarter Weltkonzerns Daimler.
Auslöser waren nicht etwa Manipulationsverdächtigungen aus den USA oder kritische Fragen nach der strategischen Ausrichtung, sondern vielmehr ein Mangel an so genannten „Saitenwürschtlen“ auf dem Büfetttisch im Berliner City Cube, wo die diesjährige Versammlung stattgefunden hatte. Zwei der rund 5.500 anwesenden Aktionäre entfachten einen erbitterten Streit darüber, wem wie viele Würstchen denn eigentlich zustehen würden. Erst mit dem Heranrücken der Polizei fand der irrwitzige Konflikt ein Ende. Die Moral aus Management-Perspektive: „Entweder wir brauchen mehr Würstchen, oder wir schaffen sie ganz ab“, bilanziert Manfred Bischoff, Daimler-Aufsichtsratschef. Die eigentliche Kernbotschaft rückte in den Hintergrund, denn das vergangene Geschäftsjahr war gut für die Aktionäre. Für 2015 wurde eine Dividende von 3,25 Euro je Wertpapier beschlossen – und damit die höchste in der Unternehmenshistorie.

Woodstock in Omaha

Via Livestream wurde Ende April erstmals die Hauptversammlung der US-amerikanischen Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway übertragen. Im „Woodstock des Kapitalismus“ stehen aber weniger die Zahlen als der Starkult um den 85-jährigen Chairman Warren Buffett im Vordergrund. Das Treffen in Omaha hat sich mittlerweile zu einem bunten Treiben zwischen Business, Show und Entertainment entwickelt. Dazu gehört auch, dass die zum Berkshire-Imperium gehörenden Firmen die Veranstaltungshalle Jahr für Jahr zu einem Shopping-Erlebnis für Kauffreudige machen – das Angebot reicht von Boxershorts bis zum Goldschmuck. Buffett seinerseits sammelt mit volksnahen Auftritten wie dem traditionellen Zeitungsweitwerfen Sympathiepunkte. Der Großinvestor und seine Nummer zwei, Charlie Munger, werden wie Rockstars gefeiert. Das Duo hat Berkshire in den…