Erschienen in Ausgabe 6-2016Unternehmen & Management

Pensionskassen unter Zinsstress

Bafin bereitet die Öffentlichkeit darauf vor, dass es auch zu Rentenkürzungen kommen kann

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Nach den Lebensversicherern geraten nun auch die Pensionskassen unter den Druck der niedrigen Zinsen. 13,7 Prozent der Kapitalanlagen investieren die Vorsorgeeinrichtungen in riskante Anlagen, darunter Aktien (6,5%), High-Yield-Anlagen (2,5%), Hedgefonds (1,7%) und nachrangige Forderungen (1,6%). Doch die größte Gefahr geht von den Zins­papieren aus. Im Schnitt liegt der Rechnungszins bei den 140 von der Bafin beaufsichtigten Pensionskassen bei 3,28 Prozent. Viele Pensionskassen werben weiterhin mit ihren hohen Garantien. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass die Versorgungswerke ihre großzügigen Versprechungen nicht mehr einhalten können, ohne den Arbeitgeber zur Kasse zu bitten.
Das kann zu einer kostspieligen und damit auch teuren Angelegenheit werden. Die Prämienentwicklung im vergangenen Jahr zeigt, dass die Finanzierungsspielräume der Unternehmen sinken. 6,1 Mrd. Euro Beitragseinnahmen kamen bei den Pensionskassen im Jahr 2015 an, das waren 7,4 Prozent weniger als im Jahr 2014.

In der Regel solvent

Die Bafin versucht zu verhindern, dass an den Renten gekürzt wird. Bei den VVaGs ist das in der Regel über eine Sanierungsklausel möglich. 21 Pensionskassen sind Mitglied bei Protektor und könnten im Notfall von der gesamten Lebensversicherungsbranche gerettet werden. Dazu zählen die Wettbewerbs-Pensionskassen der Versicherer aber auch die kirchliche Verka Pensionskasse AG und die Versorgungsausgleichskasse VVaG. Derzeit sucht die Bafin Lösungen für eine Handvoll Pensionskassen. Bafin-Chef Felix Hufeld deutet bereits an, dass in den Niederlanden Pensionen bereits gekürzt wurden. Die Pensionskassen werden weiterhin nach Solvency I beaufsichtigt. Ihre Solvabilitätsquote ist im vergangenen Jahr von 136 auf 132 Prozent gesunken. „In der Regel können die Unternehmen die Solvabilitätsvorschriften erfüllen“, heißt es im Jahresbericht der Bafin. Die Risikotragfähigkeit der Versorgungswerke „scheint damit weiterhin gewährleistet.“ 3,9 Prozent Nettoverzinsung erbrachten die 140 Mrd. Euro an Kapitalanlagen im Jahr 2015, das waren 0,30 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr (Tabelle). ba

Ausgewählte Kennzahlen der Pensionskassen (2014)

(Quelle: Bafin)
Bilanz­summe (Tsd. Euro)verdiente Brutto-Beiträge (Tsd. Euro)AnwärterRentnerKapital­anlagen (Tsd. Euro)Netto­verzinsung in %Verwaltungskosten
1BVV25.720.753603.090350.006104.16925.116.7463,81,4
2Allianz Pensionskasse8.846.886743.619881.48611.3118.661.6794,22,3
3Bayer8.384.053165.51947.20655.6528.294.4584,51,0
4Hoechst6.944.34415