Erschienen in Ausgabe 6-2016Köpfe & Positionen

Lebensversicherer in prekärer Lage.

Zu Titelreport: „Nervensache Infrastruktur“, .

Von Prof. Dr. Martin ElingVersicherungswirtschaft

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Das Gros der Lebensversicherer stellt ihr traditionelles Geschäftsmodell der langfristigen Garantien derzeit um. Diese Entwicklung führt dazu, dass die Versicherer im Bereich der Sparprodukte ihren klassischen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Finanzdienstleistern wie Banken, Anlagefonds und Pensionskassen verlieren. Wenn die Produkte im Sparbereich recht ähnlich werden, lenkt dies den Blick auf die Anlagepolitik. Hier gibt es große Unterschiede.
Während Kunden etwa im Bereich der Anlagefonds selbst zwischen einer relativ risikolosen oder einer risikobehafteten Anlage wählen können, setzt die klassische Lebensversicherung weiterhin den Schwerpunkt auf wenig risikobehaftete Assets. Das kann zum einen mit dem Asset Liability Management dieser Produkte bzw. der Steuerung der Zinsrisiken, zum anderen mit den neuen Solvency-II-Regeln in Verbindung gebracht werden. Viele Versicherer müssen für derartige Portfolios Eigenkapital aufbauen und haben schon aus diesem Grund wenig Interesse an risikobehafteten Anlagen, welche eine höhere Kapitalunterlegung fordern. Als große Last erweisen sich hier die großen Bücher mit Altpolicen, für die Renditen von zum Teil mehr als vier Prozent erwirtschaftet werden müssen. In dieser prekären Lage lassen sich fünf Stoßrichtungen für eine mögliche Neuausrichtung des Asset Management aufzeigen:
Erstens erscheint eine Investition in eine größere Bandbreite an Assets sinnvoll. Hierzu ist eine gewisse Feinjustierung der regulatorischen Rahmenbedingung erforderlich. Zweitens erscheint eine noch konsequentere Investition in Risikoprämien geboten. So ist die langfristige Investition in Zukunftsindustrien sinnvoll, um die mit diesen Wachstums­industrien verbundenen Risikoprämien zu realisieren. Interessant ist in dem Zusammenhang, dass manche Versicherer konsequent in Start-ups in der Fintech Branche investieren. Auch setzen viele Versicherer vermehrt auf illiquide Assets und die damit verbundenen Risikoprämien – dies ebenfalls in Konsequenz des langfristigen Geschäftsmodells der Lebensversicherer. Zur Realisierung dieser speziellen Risikoprämien ist drittens der Aufbau von spezifischem Bewertungs-Know-How etwa im Bereich Private Equity oder Infrastruktur notwendig. Kleine Versicherer sind hier gegenüber den großen im Nachteil. Viertens müssen auf der operativen Seite die Kosten gesenkt werden. Es ist zu erwarten, dass künftig auch branchenfremde Wettbewerber ähnliche Leistungen zu deutlich geringeren Kosten anbieten werden. Ein…