Erschienen in Ausgabe 6-2016Schlaglicht

Strenger als Solvency II

Standard & Poor’s hinterfragt den Umgang mit Katastrophenmodellen

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Strenger als Solvency II

Standard & Poor’s hinterfragt den Umgang mit Katastrophenmodellen

In einer frisch erschienenen Schrift („How We Capture Catastrophe Modeling Uncertainty In (Re)insurance Ratings“) setzt sich die Ratingagentur Standard & Poor’s mit dem Vorgehen von Rückversicherern bei der Einschätzung von Naturkatastrophenexponierungen auseinander. Kritisch sind die Auswahl der externen Modelle, die Wahl von Parametern innerhalb der Modelle sowie die Kalibrierung der Modell­ergebnisse, wenn man sie mit den tatsächlichen Portefeuille-Schäden vergleicht. S&P erwartet detaillierte schriftlich festgehaltene Überlegungen, der Erwerb eines Modells ohne großes Nachdenken reicht nicht aus, vor allem, wenn auch noch die Annahmen manipuliert werden, um zu einem möglichst geringen Wert zu gelangen.
Was dank passiver Rückversicherung vielleicht noch bis zur 200-Jahresfrequenz weggesteckt werden kann, kann bei Modellierung anhand von 250-Jahresereignissen wegen fehlendem zusätzlichem XL-Layer den sicheren Ruin bedeuten. Der S&P-Ansatz ist somit geeignet, die Nachfrage nach Retro-Schutz und nach ähnlich wirkenden Risikoverbriefungen zu steigern. Maßgeblich für S&P ist die Ruinwahrscheinlichkeit im 250-Jahre-Zeitraum. Unter Solvency II müssen sich Versicherer nur vor 200-Jahres-Ereignissen schützen. S&P erklärt nicht, warum die Periode in ihrem Modell um 50 Jahre länger ist.
Die Modell-Kalbrierung („validation of vendor models“) soll anhand historischer Ereignisse und ihrer Auswirkungen auf die Portefeuilles erfolgen. Die historischen Ereignisse sind dabei unter Zugrundelegung des derzeitigen Portefeuilles sowie von Inflation hochzurechnen.
Verglichen wird dann der modellierte Jahresschaden für ein Ereignis mit zehnjähriger Wiederkehrfrequenz mit dem tatsächlichen Schaden. Resultiert aus diesem Vergleich eine inkorrekte Realitätsabbildung im mittelfristigen Bereich, so kann auf Fehleinschätzung im langfristigen Bereich geschlossen werden. Die gleiche Gegenüberstellung fordert S&P auch für die Schadenlast im fünfjährigen Jahres-Durchschnitt. Schließlich vergleicht die Agentur auch noch das Zwanzig-Jahresereignis mit dem zweitgrößten beobachteten Portefeuilleschaden der letzten zehn Jahre. Sollte der zweitgrößte beobachtete Schaden höher liegen als der modellierte Zwanzig-Jahres-Schaden, so rechtfertigt dies die Annahme, dass die Schadenverteilung in der Realität vom Modell beschönigt wird.
S&P hinterfragt die vom jeweiligen…