Erschienen in Ausgabe 6-2016Märkte & Vertrieb

Aufschwung auf Pump?

Weidmann-Kritik verursacht politische Verstimmung – Versicherer beteiligen sich an Bankenrettung

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

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In Italien hat der neu eingerichtete Stützfond für die Banken seine Arbeit aufgenommen. Obwohl die angestrebte Kapitaldecke noch nicht vollständig erreicht ist, hat der gemischt öffentlich-private „Fond Atlante“ (auch die großen Versicherungen sind an ihm zum Teil direkt oder indirekt beteiligt) bereits seinen ersten Patienten: Es ist die Banca Popolare di Vicenza. An dem ins Trudeln geratenem Finanzinstitut beteiligt sich nun der Hilfsfonds und übernimmt Verwertung und Verkauf fauler Kredite. Wegen geringer Nachfrage bei einer notwendigen 1,5 Mrd. Euro schweren Kapitalerhöhung springt der Bankenrettungsfond ein und übernimmt rund 90 Prozent der Aktien, teilte das Institut mit. Hintergrund: Das achtgrößte Institut des Landes fand lediglich für 7,66 Prozent der angebotenen Aktien Käufer. Am Wochenende erklärte die Investmentbank Mediobanca, rund fünf Prozent Anteile an der Krisenbank erworben zu haben. Doch das reicht nicht. Zuvor hatte die italienische Regierung weitere Hilfen verabschiedet, um die Krisenbanken zu stützen. Durch eine Reform des Konkursrechts soll das Eintreiben fauler Kredite beschleunigt werden. Laut Premierminister Matteo Renzi soll die Zeit zur Fälligstellung nicht bedienter Immobilien-Darlehen von sechs bis acht Jahren auf sechs bis acht Monate verkürzt werden. Das hatte im Land der Hausbesitzer heftige Proteste ausgelöst.

„Atlante“ stützt die Krisenbanken

Die Gründung des Bankenrettungsfonds „Atlante“ soll zur Lösung der italienischen Bankenkrise beitragen. Das gemeinsam mit der EU vereinbarte Spezialvehikel, welches einen Teil der faulen Bankkredite bündeln, verbriefen und als ABS-Papiere verkaufen soll, ermöglicht nun den Abbau dieser „Non Performing Loans“ (NPL). Banken mit einem überdurchschnittlich hohen Volumen an uneinbringlichen Krediten wie Monte dei Paschi di Siena oder Banca Carige sowie jene Volksbanken, die eine Kapitalerhöhung planen, profitieren am meisten von den Rettungsmaßnahmen.
Paolo Petrignani, der als CEO der Fondsgesellschaft Quaestio Capital Management für die Führung von „Atlante“ verantwortlich ist, erklärte jüngst vor Analysten, dass der neu gegründete Fonds unabhängig und autonom agiere. Primäres Ziel sei, die Kapitalerhöhungen der in Italien zahlreichen Volksbanken abzusichern. 70 Prozent der insgesamt 4,25 Mrd. Euro an eingesammelten Mitteln sind für Kapitalerhöhungen der Volks- und kleinen Genossenschaftsbanken reserviert. Damit sei die Gefahr eines Konkurses gebannt. Mit den restlichen 30 Prozent soll…