Erschienen in Ausgabe 5-2016Trends & Innovationen

Sicher, aber nur bis 2018

Mario Draghi gibt den Lebensversicherern die Schuld an der Misere

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Nach der Ankündigung der EZB, den Leitzins weiter bei 0,0 Prozent zu belassen, werden die Sorgen der Bafin um die finanzielle Sicherheit der Versicherer immer größer. „Versicherer über einen Zeitraum von acht bis elf Jahren als sicher zu bezeichnen, halte ich für mutig“, sagt Frank Grund im Interview mit dem Wall Street Journal. „Nach heutigen Erkenntnissen würde ich eine Gefahr für die deutschen Versicherer bis 2018 ausschließen.“ Grund leitet seit Oktober vergangenen Jahres die Versicherungsaufsicht der Bafin. Anfang 2014 hätte jeder vierte Lebensversicherer die Anforderungen nach Solvency II ohne Übergangsmaßnahmen nicht erfüllt. Die Probleme dürften sich angesichts der Zinslage weiter verschärft haben. Vor allem kleine Lebensversicherer, aber nicht ausschließlich, drohen durch die Null-Zinspolitik der Europäischen Zentralbank ins Straucheln zu geraten. EZB-Chef Mario Draghi räumt in einem Interview mit Reuters ein, dass Pensionsfonds und Versicherer von den niedrigen Zinsen ernsthaft getroffen sind, schiebt den schwarzen Peter aber an die Versicherer zurück. Nicht alles, was in dem Sektor falsch gelaufen sei, könne auf die niedrigen Zinsen geschoben werden.
Jetzt warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) davor, dass die Versicherer ein wachsendes Risiko für die Stabilität des Weltfinanzsystems darstellen. Systemrelevanz und Krisenanfälligkeit der Versicherer seien deutlich gestiegen, heißt es in dem Financial Stability Report des IWF. Auch wenn diese noch deutlich unter der Risikoexponierung der Banken liege, könne diese nicht mehr unterschätzt werden, heißt es darin. „Generell unterstützen wir es, dass auch Unternehmen außerhalb der Bankenbranche als systemwichtig eingestuft werden”, sagt Gaston Gelos, Mitautor des IWF-Reports gegenüber dem Handelsblatt. Allerdings komme dieser Prozess nur schleppend in Gang. Der US-Versicherer Metlife hat kürzlich vor Gericht durchgesetzt, nicht mehr als systemrelevant eingestuft zu werden. Die US-Behörden wollen diese Entscheidung weiter anfechten.

IWF nimmt Versicherer in Schutz

Eigentlich sieht der IWF das Risiko nicht in den Versicherern selbst, sondern in den Kapitalmärkten. Die Versicherer sind aufgrund neuer Bilanzierungsvorschriften in ihrem Anlageverhalten eher vorsichtiger geworden. Da sich die Kapitalmärkte stärker im Einklang auf und ab bewegen, steige auch das Risiko, betont man beim IWF. Zuletzt haben prominente Vertreter der Finanzbranche – darunter der Chef der italienischen Großbank Intesa Sanpaolo…