Erschienen in Ausgabe 5-2016Trends & Innovationen

Bürgerversicherung versus Dualität

Die angekündigten Prämienerhöhungen in der PKV entfachen die Diskussion um das Gesundheitssystem aufs Neue

Von Uwe Schmidt-KasparekVersicherungswirtschaft

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Die Dualität der gesetzlichen und privaten Krankenversicherer ist angesichts der jüngst angekündigten Prämienerhöhungen in der PKV wieder in die Diskussion geraten. Mit entsprechendem Rückenwind für die Verfechter einer Bürgerversicherung, die auch auf der BdV-Wissenschaftstagung eine zentrale Rolle spielt.
„Die Kunden wurden beim Kauf nicht da­rüber informiert, dass sie auch wegen sinkender Zinsen höhere Beiträge zahlen müssen“, kritisiert Axel Kleinlein auf der 26. Wissenschaftstagung des Bundes der Versicherten (BdV) in Berlin. Und für die privat Versicherten wird es auch weiter teurer werden, ist der Verbraucherschützer überzeugt: „Die aktuellen Beitragsanpassungen sind vermutlich erst der Anfang einer schmerzlichen Zeit für die PKV-Versicherten.“ Ursache der Prämien­erhöhung sind die anhaltenden Niedrig­zinsen. Aufgrund der geringen Rendite für Kapitalanlagen müssen alle PKV-Unternehmen die Verzinsung der Rückstellung, die für eine Entlastung von älteren Patienten gespart werden, senken. Das erhöht in den nächsten fünf bis sieben Jahren, so die Schätzung von verschiedenen Experten, die Beiträge für alle Privatpatienten. Prämienanpassungen sind den privaten Krankenversicherern jedoch erst dann erlaubt, wenn der Kostenanstieg einen bestimmten Richtwert überschreitet. Ist diese Schwelle überschritten, dürfen die Versicherer auch die durch die Niedrigzinsen ausgelösten Anpassungen durchführen. Die Neukalkulation der Beiträge aufgrund sinkender Zinsen sei so vom Gesetzgeber abgesegnet, kritisiert Kleinlein. Faktisch hätten sich die Versicherer aber verkalkuliert: „Wir haben daher hier einen legalen Betrug.“ Und weiter: „Die Verbraucher haben aber ein Recht darauf, dass man die Systemfrage endlich klärt.” Kleinlein konstatiert eine „Sprachlosigkeit der Befürworter der Bürgerversicherung.” Jedes kapitalgedeckte System müsse unweigerlich ins Schlingern kommen, wenn es keine Zinsen mehr gibt. „Umso verblüffender ist es, dass die Befürworter einer Bürgerversicherung die vermeintliche Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt jetzt nicht in den Vordergrund stellen”, so Kleinlein.
Gegen Kleinleins Vorwurf des „legalen Betrugs“ kontert Frank Wild, Leiter des wissenschaftlichen Instituts der PKV: „Wir greifen nicht in bestehende Verträge ein, weil der Zins schon immer in der Kalkulation stand.“ Zudem soll die Erhöhung durch Zinsanpassungen in der Regel nur ein bis zwei Prozentpunkte ausmachen.
Trotzdem müssen die Privatpatienten in den nächsten Jahren mit merkbaren…