Erschienen in Ausgabe 5-2016Schlaglicht

Rendite, Risiko und Leerlauf

Die Investitionslust ist da, noch immer fehlen die Projekte

Von Versicherungswirtschaft

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Joukhaisselkä, Kuolavaara-Keulakkopää und Saarenkylä. Genau hier ragen hunderte Meter hohe, mit gigantischen Rotorenblättern ausgestattete Stahltürme aus dem Boden, die Kapital aus der Kraft der Winde schlagen sollen. Tiefste finnische Provinzen und neue Investmentstandorte einer globalen Marktmacht zugleich. Ein Bild, das die neue Produktivität des Allianz-Konzerns außerhalb seines Kerngeschäfts spiegelt. Mit dem Kauf der drei Parks übersteigen die Investitionen des Münchener Versicherers in erneuerbare Energien mittlerweile die Marke von drei Mrd. Euro. Insgesamt gehören 63 Wind- und sieben Solarparks zum Bestand von Allianz Capital Partners (ACP). Das entspricht dem Energiebedarf des Stadtkerns der französischen Hauptstadt Paris.
Ob Kraftwerke, Flug- und Seehäfen, Mautstraßen oder Telekommunikation. Die Infrastruktur bietet den Versicherern ein weites Investmentfeld mit lukrativen Geschäftschancen. Nicht nur bei Unternehmen wie der Allianz, Talanx oder Munich Re wird die Assetklasse seit Jahren immer beliebter, sondern auch bei anderen auf Sicherheit und auf langfristige Erträge bedachten Anlegern wie Pensionskassen.
„Die Versicherungsakteure können ihre Risiken in dieser Form der Kapitalanlage breiter streuen und kaufen leicht höhere Erträge ein, indem sie auf Liquidität verzichten“, erklärt Holger Kerzel, Geschäftsführer von Meag. Der gemeinsame Vermögensverwalter von Munich Re und Ergo hat unter anderem an der Finanzierung des Londoner Seefrachthafens mitgewirkt und sich in diesem Jahr an einem Solarpark in Großbritannien beteiligt. Infrastrukturinvestments scheinen mehr denn je dazu bestimmt, lange Zahlungsverbindlichkeiten auf der Versicherungsseite in der Kapitalanlage zu decken. Gleichwohl müssen die potenziellen Investoren einen Balanceakt der richtigen Risikokalkulation vollziehen: Denn je abgesicherter und schwankungsärmer die Projektgewinne sind, desto geringer die Rendite. Höhere Risiken, etwa bei Bauprojekten oder Häfen, die von der Konjunktur abhängen, werden mit höheren Renditen belohnt.

Wettbewerbsfaktor im Lebens- und Versorgungsgeschäft

Das Geschäftsklima für die Versicherer war auf den ersten Blick wohl nie so verlockend wie heute, um in das Infrastruktur-Business hineinzugehen. „In einem Spannungsfeld zwischen Niedrigzinsphase und den zu erfüllenden Verpflichtungen aus den Versicherungsverträgen wird die Wahl einer richtigen Absicherungsstrategie und der passenden Asset-Klassen zu einem Wettbewerbs- sowie Überlebensfaktor für die…