Erschienen in Ausgabe 5-2016Köpfe & Positionen

Schaden behoben, Wert gemindert

Wertminderungserstattung beschäftigt die Kunstversicherer auf der Art Cologne

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Über eine Mio. Euro erzielte die Galerie von Vertes für ein Leinwandgemälde von Joan Miró bei der diesjährigen Art Cologne. Der Top-Verkauf in diesem Jahr. An den vier Messetagen wechseln traditionell so einige Kunstwerke den Besitzer, angefangen bei vierstelligen Beträgen bis hin zu hohen sechstelligen Summen und mehr. Kunst ist in diesen Tagen vor allem auch eine Wertanlage. Und diesen Wert gilt es abzusichern. „­Wertminderung? Realität oder Fiktion – Fluch oder Segen?“ lautete da auch passend der Titel der Panelrunde beim 5. Kölner Kunstversicherungsgespräch, das der Ver­sicherungsmakler Stephan Zilkens im Rahmen der Art Cologne veranstaltete. Im Fokus der Diskussion stand die Frage nach der Wertminderung von beschädigten und anschließend restaurierten Kunstobjekten. Als wertmindernd werden im Kunsthandel lediglich neuere Schäden angesehen, leichte Beschädigungen aus früheren Zeiten hingegen tragen eher zur Aura bzw. Patina eines Werks bei. Der Deutschland-Chef von Axa Art, Dirk Heinrich, erklärt: „Das Kriterium ist die Verkäuflichkeit: wie stark ist der Wert im professionell restaurierten Zustand im Vergleich zum Zustand vor dem Schadenereignis reduziert?“ Wichtig sei in dieser Frage auch die Lage des Schadens: eine zentrale Lage, etwa in Bildmitte, ist gravierender als eine Randlage.
Für die Kunstversicherer – zu den führenden Unternehmen zählen neben Axa Art u.a. die Helvetia und Hiscox – ist der Frage nach der Wertminderung durchaus von Relevanz. Nach Einschätzung von Barbara Weber, Registrarin im Kunstmuseum Bonn, wird in jedem zweiten Beschädigungsfall neben der Restaurierung auch noch eine Wertminderung bezahlt werden: „Im internationalen Leihverkehr können Wertminderungen nicht mehr von der Deckung ausgeschlossen werden, insbesondere private Sammler sind hinsichtlich dieses Exposures aufgewacht.“

Sonnenlicht ist nicht versichert

In aller Regel nicht in der Kunstpolice gedeckt sind Allmählichkeitsschäden („inherent vice“), d.h. Schäden, die sich im Zeitablauf aufgrund der Fragilität des Werks und ggf. auch seiner nicht professionellen Auf­bewahrung ergeben. So beschädigt etwa zuviel UV-Einstrahlung großformatige C-Print-Farbfotografien der frühen 1980er. Hier hilft nur ein vom Künstler als genuin erklärter Neu-Abzug des Werks. Der Podiumsteilnehmer Thole Rotermund nannte einen in seiner Kunsthandels-Praxis vorgekommenen typischen Fall: Ein Nolde-Aquarell war nach 50 Jahren UV-Exposition verblichen. Das eigentlich 120.000-Euro-Kunstwerk war in…