Erschienen in Ausgabe 5-2016Köpfe & Positionen

Zur Debatte: Offshore Compliance im Wandel

Wann haben wir genug?

Von Dr. Dirk SolteVersicherungswirtschaft

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Zur Debatte: Offshore Compliance im Wandel

Wann haben wir genug?

Whistleblower leakt geschützte Datenliste von dubiosen Briefkastenfirmen bei internationaler Rechtsanwaltskanzlei! Sicher ist: Zur aggressiven Steuerplanung werden in Panama geduldete Firmenkonstruktionen genutzt. Selbst illegaler Missbrauch zur Geldwäsche von Gewinnen aus verabscheuungswürdiger Kriminalität brutalster Schlechtigkeit ist damit möglich. Beispielsweise kann die Herkunft riesiger Profite aus übelsten und gesetzlich in vielen Ländern verbotenen Verbrechen camoufliert werden, so ein Experte. Auch berühmte Personen und bekannte Unternehmen stehen auf der Panama-Liste! Ein Skandal von ungeheuerlichem Ausmaß! Hier geht’s zum Liveticker und zum Blog ...
So etwa ist der Tenor des aktuellen Skandalmarketings in vielen Medien. Es ist interessant, welche Sprachspiele möglich sind. Es kommt dabei nur auf Wortwahl und die Reihenfolge der Sätze an, schon sind die unterschiedlichsten Bezüge und Interpretationen möglich, aber eine bestimmte Sichtweise wird assoziiert: Alle auf der Panama-Liste stehenden Subjekte werden mit illegalen Praktiken in Beziehung gesetzt. Damit ist klar: Je länger die Liste, desto größer der Skandal. In der neurolinguistischen Forschung hat George Lakoff diese Technik als „Framing der Debatte” bezeichnet. „Don’t think of an Elephant!“. Wer diese Aufforderung hört, kann nicht mehr anders. Er muss und wird an einen Elefanten denken.
Aggressiv, illegal, dubios, ungeheuerlich, skandalös. Mit diesen Attributen wird jeder, der in den Panama Papern steht, durch die gewählte Art der Darstellung versehen. Die mögliche Legalität des wie auch immer gearteten Engagements in Panama wird sprachlich verschleiert, auch was die Dienstleistungen der Rechtsanwaltskanzlei betrifft. Die Legitimität wird pauschal jedweder mit der Panama-Liste verknüpften wirtschaftlichen oder finanziellen Transaktion abgesprochen, durch die Betonung der möglichen Illegalität wird diese unterschwellig assoziiert. Die gesetzlich verankerte Unschuldsvermutung kommt so in der öffentlichen Meinung unter die Räder. Die Debatte ist geframt, sie hat eine Richtung: Es geht um einen Skandal. Dieser publizistische Aufschlag, der in den Medien Platz greift, kann positiv so gedeutet werden, dass im medial reflektierten Meinungsmainstream gesellschaftlicher Schwarmintelligenz eine neue Facette des kollektiven Wertekanons entsteht: Illegitim ist jede Legalität, die auch zur Verschleierung von Illegalität missbraucht werden…