Erschienen in Ausgabe 5-2016Unternehmen & Management

Transparenzoffensive nach Maß

Mit der IDD-Richtlinie entsteht ein Überwachungsverfahren, das festlegt, an wen künftig welche Policen verkauft werden

Von Julia Kaiser und Eva BerberichVersicherungswirtschaft

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Das Thema Produktgenehmigung ist vielen Versicherern noch ein Begriff. Bis Mitte 1994 unterlagen Versicherungsprodukte in Deutschland der aufsichtsbehördlichen Kontrolle. Nun wird auf europäischer Ebene wieder ein so genanntes Produktgenehmigungsverfahren eingeführt. Der europäische Gesetzgeber legt allerdings die Verantwortung für die Produktgenehmigung – anders als früher – nicht in die Hände der Aufseher, sondern verpflichtet die Versicherungsunternehmen und Vermittler selbst zur Einrichtung, Durchführung und regelmäßigen Kontrolle solcher Verfahren.
Hintergrund ist die Verabschiedung der europäischen Vertriebsrichtlinie Insurance Distribution Directive (IDD)1, die am 23. Februar 2016 in Kraft getreten ist. Erklärtes Ziel der Richtlinie ist die Verbesserung des Schutzes der Versicherungsnehmer sowie die Herstellung von einheitlichen Wettbewerbsbedingungen für Vermittler und Versicherer.Der Vertrieb soll durch die neuen Anforderungen für die Kunden fairer und bedarfsgerechter werden.

Zielmarkt umreißen

Als Teil der neuen Wohlverhaltensregeln führt Art. 25 IDD umfassende Aufsichts- und Lenkungs-Anforderungen ein. Danach müssen Versicherungsunternehmen und -vermittler, die Versicherungsprodukte zum Verkauf an Kunden konzipieren, ein Verfahren für die Genehmigung jedes einzelnen Versicherungsprodukts oder jeder wesentlichen Anpassung bestehender Versicherungsprodukte unterhalten, betreiben und überprüfen, bevor die Produkte an Kunden vermarktet oder vertrieben werden. Ausgenommen sind lediglich Versicherungen für Großrisiken.2
Durch eine solche „Product Governance“ soll sichergestellt werden, dass die Unternehmen nur solche Versicherungsprodukte entwickeln und vertreiben, die auch den Bedürfnissen und Interessen ihrer Kunden entsprechen.
Die Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht muss bis 23. Februar 2018 erfolgen. Im Sinne einer Mindestharmonisierung enthält Art. 25 Abs. 1 IDD nur grundsätzliche Anforderungen an das Produktgenehmigungsverfahren. Die EU-Kommission ist jedoch befugt, Konkretisierungen dieser Vorgaben im Rahmen von delegierten Rechtsakten vorzunehmen.3
Auf Grundlage der sogenannten Joint Position4 der ESAs5 vom November 2013 hatte die Aufsichtsbehörde Eiopa bereits 2014 ein Konsultationsverfahren zu Leitlinien zur Product Governance durch Versicherungsunternehmen durchgeführt.6 In Vorbereitung auf IDD erweiterte die Eiopa im Oktober 2015 diese Leitlinienentwürfe um Anforderungen an sogenannte Versicherungsvertreiber.7 Als Ergebnis der…