Erschienen in Ausgabe 5-2016Schlaglicht

Ein Geschäft mit Schlagseite

Zunehmende Risiken im globalen Transport und sinkende Prämien setzen der ältesten Versicherungssparte zu

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Die Containerriesen auf den Weltmeeren, Flüssen und Kanälen werden immer größer, effizienter und teurer. Für die Transportversicherer steigen die Risiken immens, denn eine einzige Havarie eines solchen Stahlkolosses kann schnell zum Milliardenschaden werden. Traditionell gehören zu den in der Transportversicherung gedeckten „Perils of the Sea“ Kollisionen, Stranden, Auflaufen auf Objekte unter der Wasseroberfläche, schweres Wetter und sonstige Naturphänomene. Zusätzlich können auch noch innere Unruhen, Krieg und Piraterie mitgedeckt werden.
Derzeit macht den Transport-Underwritern jedoch noch etwas ganz anderes zu schaffen: Untertarifierung und zu kundenfreundliche Versicherungsbedingungen. Grund für dieses Missverhältnis ist die große Diskrepanz von Angebot und Nachfrage. Zudem leiden auch die Schiffseigener an einer mangelnden Profitabilität, sodass sie Schwierigkeiten mit der Zahlung von Prämien haben. Viele der Indices an der Baltic Exchange, die die Transportraten feststellen, weisen Niveaus auf Tiefstand-Rekord aus. Geld in die leeren Taschen der Reeder könnte da auch ein „Versicherungsfall“ spülen. Die Befürchtung ist naheliegend, dass es zunehmend zu getürkten Schäden bzw. Schäden aufgrund von mangelhafter Wartung der Schiffe kommen könnte.
Und nicht nur auf hoher See, auch in den Häfen ballen sich enorme Risiken, wie die Explosion im Hafen von Tianjin nachdrücklich vor Augen führte. Der ursprünglich auf 1,5 Mrd. US-Dollar geschätzte Marktschaden dürfte die Welt-Assekuranz gemäß neuerer Schätzungen der International Union of Marine Insurance (Iumi) zwischen fünf oder sechs Mrd. Dollar kosten. Zum Schadenzeitpunkt hatten sich allein 70.000 fabrikneue Autos im Hafengebiet befunden. Gesucht wird noch nach Wegen, wie die betroffenen Erst- und Rückversicherer die für diverse kausal gewordene Regelverstöße verantwortlichen chinesischen Hafengesellschaften zur Verantwortung ziehen können. Das Ereignis hat gezeigt, dass die bisherige Einschätzung von Hafenkumulen unter Transportportefeuilles zu optimistisch war und dass Underwriter besser daran täten, zusätzliche Schutzdeckungslayer einzukaufen. Und zu guter Letzt sinkt auch noch die Zusatzprämie für politische Risiken, da vor allem die Piraterie am Horn von Afrika nachgelassen hat – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Transportversicherer – die älteste Versicherungsform überhaupt – befinden sich unterm Strich also in schwerer See.

Sinkende Frachtraten und zunehmende Welttonnage

Die Absicherung der…