Erschienen in Ausgabe 5-2016Unternehmen & Management

Talanx: Konzern erfüllt Zielvorgaben – Gewinn wegen Abschreibungen unter Vorjahr – Haas sieht sich noch weit vom Ziel entfernt

Von Claudia Schmidt-WehrmannVersicherungswirtschaft

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Die Talanx AG in Hannover hat das Geschäftsjahr 2015 dazu genutzt, die notwendigen strategischen Weichenstellungen vorzunehmen. „Der Konzern ist auf Kurs, aber noch weit vom Ziel entfernt“, erklärte Vorstandschef Herbert K. Haas bei der Vorlage der Bilanz. Eine der großen Baustellen ist das deutsche Privat- und Firmengeschäft, dessen Kosten noch immer zu hoch sind. Allerdings gibt es nicht nur hausgemachte Probleme, vielmehr beschert der Niedrigzins zusätzliche Belastungen. Daher hat die Talanx das deutsche Lebensversicherungsgeschäft auf Null abgeschrieben. Zudem wendet man sich von den klassischen Garantieprodukten ab, hin zu Beitragsgarantien mit Aussicht auf höhere Renditechancen.
Vorangetrieben werden soll das renditeschwache Privatkundengeschäft mit der Hauptmarke HDI durch vermehrte Anstrengungen in Sachen Digitalisierung und Automatisierung. Für diese Aufgabe hat Haas einen Zeitrahmen bis 2020 gesetzt. Insgesamt sollen 330 Mio. Euro investiert werden. Dann sollen Kosten im deutschen Privat- und Firmengeschäft in Höhe von 240 Mio. Euro jährlich eingespart sein – ein Rückgang um fast 30%. Dies geht auch mit dem Abbau von Arbeitsplätzen einher. Angekündigt worden ist bereits die Streichung von mindestens 600 der 5.000 Arbeitsplätze. Weitere Stellen sollen nach Angaben des Vorstands Jan Wicke nochmals im Vertrieb wegfallen. Darüber soll bis Sommer entschieden sein.
Nach dem guten Wachstum im vergangenen Jahr erwartet der Talanx-Chef für 2016 lediglich eine stabile Beitragsentwicklung. In der deutschen Industrie­versicherung dürfte durch weitere Bereinigungen und Prämienerhöhungen in den Sparten Feuer, Transport und Flotte erneut Geschäft verloren­gehen. Das Auslandsgeschäft, das bereits 60% der Prämien beisteuert, soll jedoch weiter wachsen. In der Privat- und Firmenversicherung Deutschland erwartet Haas wegen der Schwäche im Lebensversicherungsgeschäft erneut Prämienrückgänge. Allerdings hofft er durch neue Produkte auf eine Wende. International soll die Privat- und Firmenversicherung weiter stabil wachsen. Dies gilt auch für die Rückversicherung. Weiter ausgebaut werden soll das Auslandsgeschäft, das konzernweit 47% zum Prämienvolumen beiträgt. An Zukäufen ist Talanx in ihren Kernmärkten Brasilien, Mexiko, der Türkei und Polen interessiert. Dafür stehen Mittel in Höhe von 500 Mio. Euro zur Verfügung. Haas beklagt allerdings, dass derzeit einfach nichts Passendes am Markt sei.
Optimistischer als noch vor einigen Monaten gibt er sich mit Blick auf den…