Erschienen in Ausgabe 5-2016Märkte & Vertrieb

Jeder kann Versicherung

Chinas Aufsichtsbehörden senken die Anforderungen an Vermittler, prompt verdoppelt sich deren Anzahl

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Bis zum Ende des ersten Quartals dieses Jahres stieg die Gesamtzahl der Ver­sicherungsvermittler in China auf 7,1 Mil­lionen. Damit beträgt das Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ca. eins zu 180. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Quote bei eins zu 320. Verwunderlich ist indes nicht die bloße Zahl, sondern die Steigerungsrate. Im Vergleich zum Jahresende 2014 hat sich die Anzahl der Vermittler mit 118 Prozent mehr als verdoppelt. Allein im ersten Quartal 2016 wuchs das Vermittlerheer um rund zwei Millionen.
Der Wachstumsschub erklärt sich durch die Abschaffung der Prüfungspflicht. Im vergangenen Sommer hat die Aufsichtsbehörde Circ die Einstiegsschwelle für den Vermittlerberuf deutlich gesenkt, indem sie nicht nur die Einsteiger von einer obligatorischen Qualifikationsprüfung befreite, sondern auch die Genehmigungsverfahren abschaffte. Offenbar will Circ einen Teil des Arbeitslosenheeres, das im Zuge des verlangsamten Wirtschaftswachstums anstieg, in die Versicherungsbranche umleiten.
Ob mehr Vermittler auch zu mehr Umsatz geführt haben, ist noch ungewiss. Für den Präsidenten von China Life ist das bereits erwiesen. Das Neugeschäft des größten chinesischen Lebensversicherers hat 2015 um 39 Prozent zugenommen. Im selben Jahr stieg bei China Life die Anzahl der Vermittler um 31,7 Prozent auf insgesamt 1,15 Millionen, beim Konkurrenten Ping An um 36 Prozent. Angesichts eines Wachstums von 19,4 Prozent in der Leben-Sparte könnte man die „Massenstrategie“ für richtig halten. Bei einer Fluktuationsrate von mehr als 34 Prozent befürchtet mancher Kritiker jedoch eine Verschlechterung der Qualifikation des Verkaufspersonals und letztendlich auch der Servicequalität.

Fosun weiter auf Wachstumskurs

Der Mischkonzern Fosun aus Schanghai hat vor kurzem eine überraschend gute Leistungsbilanz vorgelegt. Das gesamte Vermögen des Unternehmens ist um 24,8 Prozent auf umgerechnet 54,9 Mrd. Euro gewachsen. Den Gewinn aus den Investitionen in Versicherungen konnte man 2015 überproportional um 88,4 Prozent steigern. Fosun hält 20 Prozent an dem US-Versicherer Ironshare und erwarb Anfang 2014 die Mehrheitsbeteiligung an der portugiesischen Versicherungsgruppe Caixa Seguros. Der Konzern ließ hierzu verlauten, dass er demnächst auch auf den Märkten in Brasilien, Russland und Indien aktiv sein werde.

Einkaufstour nur vorerst gestoppt

Die Übernahme-Wirren um die US-amerikanische Hotelkette Starwood haben ein Ende. Anfang April gaben die Aktionäre von Marriott und Starwood in zwei…