Erschienen in Ausgabe 5-2016Märkte & Vertrieb

Italien rettet seine Banken

Versicherer beteiligen sich mit einer Milliarde Euro am nationalen Rettungsschirm – Aufatmen in der Eurozone

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

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Nach wochenlangen zähen Verhandlungen im Finanzministerium in Rom und zunehmendem Druck seitens der EU-Kom­mission haben Vertreter von Banken, Versicherer und Investmentfonds endlich der Einrichtung eines Bankenrettungsfonds zugestimmt. Der Fonds mit dem Namen „Atlante“ soll in einer ersten Phase kriselnden Banken bei der Kapitalbeschaffung helfen. Danach soll er diese auch dabei unterstützen, Problemkredite loszuwerden. Italiens Finanz­institute sitzen auf notleidenden Krediten in Höhe von 360 Mrd. Euro. Das entspricht einem Fünftel der Wirtschaftsleistung des Landes; seit dem Kollaps von vier Regionalbanken im Dezember geht die Angst vor einer Destabilisierung des gesamten Sektors um. Bankaktien haben seit Jahresanfang über vierzig Prozent ihres Wertes eingebüßt. Aus Brüssel waren zuletzt immer besorgtere Töne über das Volumen der faulen Kredite zu vernehmen.

Druck der Zentralbank

Der neue Stützungsfonds soll nun die Bankbilanzen entlasten und die Kreditvergabe in Italien wieder ankurbeln. Führen soll die Einrichtung der private Fondsmanager Quaestio, weil Italien keine nach EU-Recht verbotene Staatshilfe gewähren will. Quaestio, mit Büros in Mailand und Luxemburg, verwaltet nach eigenen Angaben bisher rund zehn Mrd. Euro an Vermögenswerten. Einer seiner wichtigsten Anteilseigner ist die zu Intesa Sanpaolo gehörende Fondazione Cariplo. Noch im Januar hatte sich die Regierung in Rom nach hartem Ringen mit der EU-Kommission über die Bedingungen für mögliche Hilfen zugunsten der Banken verständigt. Demnach darf Italien prinzipiell Garantien geben, die das Verlustrisiko für Käufer von faulen Krediten begrenzen sollen. Dafür müssen die Banken jedoch Geld auf den Tisch legen. Auch die Assekuranzbranche, im Gegensatz zum kriselnden Bankensektor solide aufgestellt, sieht sich in der Pflicht: Versicherer – unter ihnen Generali, Unipol und Cattolica – sollen zu Einlagen von einer Mrd. Euro bereit sein, Investmentfonds zu weiteren 500 Mio. Wie viel am Ende tatsächlich zusammenkommt, wird sich aber erst in den nächsten Wochen abzeichnen. Nach offiziellen Angaben stand es den Beteiligten frei, ob und wie viel sie in den Topf werfen. Italienische Medien berichteten jedoch, der Gouverneur der Zentralbank habe erheblichen Druck auf die Finanzhäuser ausgeübt, „die finanzielle Stabilität Italiens sicherzustellen“.
Rom selbst will vermeiden, Staatshilfen im Sinne des EU-Rechts zu gewähren, weil es dann zu einem unpopulären Bail-in käme: das bedeutet, Gläubiger (und somit auch…