Erschienen in Ausgabe 5-2016Märkte & Vertrieb

Exponiertes Risiko

Auf der Insel häufen sich die Flutkatastrophen, doch Erstversicherer können nicht alle Gefahren an Flood Re auslagern

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Die versicherten Schäden aus den Flutereignissen Anfang des Jahres infolge der Stürme Frank und Eva betragen 578 Mio. Pfund, schätzt der Dienstleister Perils. Das vorangegangene Ereignis Desmond im Dezember hatte bereits 662 Mio. Pfund gekostet. Dafür aufkommen wird Flood Re Ltd., der vom britischen Staat ins Leben gerufene Spezial- bzw. Ausschnittsrückversicherer für Überschwemmungsrisiken. Seine Deckung soll bis 2019 400.000 Privatwohnungen betreffen. Diese werden weiterhin von britischen Sachversicherern gezeichnet, wodurch eine jährliche je nach Exponierung des Einzelrisikos differenzierte Umlage auf die Versicherungsnehmer von 180 Mio. Pfund zusammenkommt. Doch kommt es für die das Geschäft an Flood Re zedierenden Erstversicherer entscheidend auf deren Solvabiliät und Rating an. Standart & Poor’s hat Flood Re nun mit einem provisorischen A- benotet.
Das Rating beruht auf der Retrozessionsstruktur von Flood Re (zu 50% eine Quotenabgabe und zu 50% eine bis 2,1 Mrd. Pfund an Marktschaden reichende Schadenexzedentendeckung). S&P schätzt, dass der Plafonds dieser Deckung oberhalb eines alle 200 Jahre zu befürchtenden Ereignisses liege. Oberhalb dieses Plafonds fällt das zedierte Risiko anscheinend auch an die Zedenten zurück. Ein Handicap von Flood Re ist die fehlende geografische Diversifikation.
Auch wenn das in London ansässige Unternehmen ein nicht kapitalisierter Gegenseitigkeitsrückversicherer ist, geht S&P nicht von einer impliziten Garantie durch den britischen Staat aus. Jedoch besteht die Möglichkeit, im Ernstfall den Mitgliedern einen Nachschuss abzuverlangen.

Verdopplung der Prämiensteuer innerhalb von sechs Monaten

Der britische Schatzkanzler George Osborne hatte 2011 von der Labour-Regierung ein fast zehnprozentiges Haushaltsdefizit geerbt, welches er auf fünf Prozent zurückführen konnte. Aufgrund der Brexit-Befürchtungen gerät der britische Wirtschaftsmotor allerdings ins Stottern. Osborne steht daher plötzlich vor einem zusätzlichen vier Mrd. Pfund betragenden Budgetloch. Dem entgegenwirken soll eine erneute Erhöhung der IPT Insurance Premium Tax von 9,5 auf zwölf Prozent. Erst im November 2015 war sie von sechs Prozent drastisch angehoben worden. Es stellt sich die Frage, ob britische Versicherer diese Erhöhungen weitergeben werden. Im Bereich der großgewerblichen und industriellen Versicherungen könnte es zu höheren Selbstbehalten und einer separaten Maklervergütung kommen.
Einen guten Aspekt hat die IPT-Erhöhung für die…