Erschienen in Ausgabe 5-2016Märkte & Vertrieb

Der alte Kontinent

Steigende Lebenserwartung bringt Sozialversicherungssysteme der EU aus dem Gleichgewicht

Von Thomas A. FriedrichVersicherungswirtschaft

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Die europäischen Macher werden immer älter. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker feierte im Kreis seiner engsten Kabinettsmitglieder im „Old Hack“ – dem kleinsten Pub von Brüssel direkt gegenüber dem Kommissionsgebäude – seinen 60. Geburtstag am 9. Dezember vor zwei Jahren. Kalt erwischte es Kanzlerin Angela Merkel um Mitternacht beim gescheiterten EU-Gipfel im gleichen Jahr beim runden 60. Geburtstag in der Nacht zum 17. Juli. Beide – Juncker und Merkel – sind 1954 geboren.
Der damalige Brüsseler TV-Korrespondent Udo van Kampen leitete die erste mitternächtliche Frage auf der Pressekonferenz im Brüsseler Ratsgebäude mit einem „Happy Birthday“-Ständchen für die Kanzlerin ein. Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments (EP), vollendete seinen 60. Geburtstag 2015, ein Jahr nach Juncker. 2013 ist der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger im Club der Sechziger angekommen. Alle vier Akteure auf dem Brüsseler Parkett sind mit robuster Konstitution und Gesundheit ausgestattet. Europäische Energiebündel, die beste Vorbilder für die „Generation 60 plus“ abgeben könnten.

Heute Geborene leben über 100 Jahre

Doch was eigentlich sichert ein gesundes Altern? Ist die Rente wirklich sicher? Fragen, die in der Vorphase der Bundestagswahl 2017 die Gemüter erhitzen. In Deutschland erleben wir derzeit, dass die Agenda 2010 von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) systematisch von der aktuellen schwarz-roten Bundesregierung auf den Kopf gestellt. Der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) brandmarkt die unter SPD-Ägide eingeführte Riester-Rente als gescheitert. Während die deutsche Öffenlichkeit die Rentendiskussion neu thematisiert, versucht die EU-Kommission mit Fakten einer aktuellen Eurostat-Umfrage, die Diskussion um die demografische Entwicklung und gesundes Altern in der EU zu versachlichen.
Die Lebenserwartung in der EU ist in der Zeitspanne von 2002 bis 2013 im Durchschnitt um 2,9 Jahre angestiegen – von 77,7 auf 80,6 Jahre. 2013 lag das Durchschnittsalter aller rund 500 Millionen EU-Bürger bei 40 Jahren unter den Männern und bei 43 Jahren in der weiblichen Population. Für 2060 prognostizieren die europäischen Statistiker ein Durchschnittsalter von 45 Jahren bei den Männern und 47 Jahren bei den Frauen. Der Anteil der über 65-Jährigen an der europäischen Gesamtbevölkerung wird sich bis 2080 nach Ansicht der EU-Statistiker verdoppeln. Dann werde nahezu ein Drittel der EU-Gesamtbevölkerung über 65 Jahre alt sein.
Der Blick auf die…