Erschienen in Ausgabe 5-2016Köpfe & Positionen

Im Profil Monika Köstlin

„Aufsicht und Branche werden bei der Ausgestaltung von Solvency II einen gemeinsamen Weg finden“

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Die Aufgaben, die vor Monika Köstlin liegen, sind zahlreich und vielfältig. Köstlin ist seit September 2015 Vorstandsvorsitzende des Kieler Rückversicherungsvereins auf Gegenseitigkeit. Seit einigen Monaten „erlebt“ die 37-Jährige die Scharfschaltung von Solvency II in der Praxis-Anwendung. Sie spricht davon, dass alle Anforderungen an ihr Haus fristgemäß umgesetzt wurden. Jedoch fehle bisher die praktische Erfahrung. Die verheiratete Mutter einer sechsjährigen Tochter und eines vierjährigen Sohnes hatte noch im vergangenen Jahr vor den höchst bürokratischen Auswirkungen des europäischen Gemeinschaftswerks gerade für kleinere Versicherer gewarnt und für diese Ausnahmen angemahnt.
„Es ist nicht mit dem Ausfüllen von ein paar Formularen an einem Vormittag getan“, sagt sie. „Wir mussten extra eine neue Software anschaffen, mit deren Hilfe wir nun alle drei Monate umfangreiche Daten auswerten müssen“, und ergänzt: „Das alles dient nicht unmittelbar dem Geschäft. Leider wurden wir in der Vorbereitungsphase weitgehend alleingelassen. Es fehlte einfach die amtliche Unterstützung, die uns den Weg in die richtige Richtung bestätigt oder korrigierend geholfen hätte.“ Dennoch zeigt sie sich zuversichtlich, dass Aufsicht und Branche bei der Ausgestaltung einen gemeinsamen Weg finden werden, der den Proportionalitätsgrundsatz berücksichtigt.

Personalkosten durch Solvency II

Für ihr „kleines aber feines“ Unternehmen, das Geschäftsbeziehungen zu rund 85 Versicherern unterhält, sind insgesamt neun Personen tätig: Neben Köstlin noch zwei weitere Vorstandsmitglieder, einer in ehrenamtlicher Funktion und sechs Mitarbeiter, drei davon nur in Teilzeit. Besonders zu schaffen macht der Kieler Rück bei der Umsetzung von Solvency II die sogenannte Säule II. Vor allem die vom Gesetzgeber geforderte Besetzung von vier Schlüsselfunktionen, die weitgehend unabhängig voneinander arbeiten sollen, fällt bei dieser dünnen Personaldecke besonders schwer und verursacht zusätzliche Kosten. Die gebürtige Karlsruherin geht davon aus, dass durch die Vorschriften die Personalkosten um bis zu 25 Prozent steigen werden, fügt aber hinzu: „Wir können das schon verkraften, weil wir gleichzeitig in vielen Geschäftsprozessen effizienter geworden sind.“ Auf jeden Fall sei es das Bestreben, nicht die Mitglieder zusätzlich zu belasten. Es hat den Anschein, dass das auch gelingt.
Köstlin kennt die Probleme vieler Klein- und Kleinst-Versicherungsvereine sehr genau. In ihrer zweiten Funktion ist sie auch…