Erschienen in Ausgabe 5-2016Köpfe & Positionen

Neue Wege für die Preisfindung.

Zu Titelreport: „Das Gesicht der Wirtschaft formt sich neu“, .

Von Burkhard HeroldVersicherungswirtschaft

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Es gehört zu den größten Mythen der Versicherungsbranche, dass der Preis das wichtigste Entscheidungskriterium für den Kunden ist. Tatsächlich kommt es heute vor allem auf die Qualität an. Die meisten Kunden sind durchaus bereit für eine gute Leistung einen angemessenen Preis zu zahlen – sie möchten nur nicht das Gefühl haben, über den Tisch gezogen zu werden. Das Pricing in der Versicherungsbranche orientiert sich aber traditionell sehr stark an den Kosten; Präferenzen und Zahlungsbereitschaft der Kunden werden nicht ausreichend berücksichtigt. Deshalb ist bei der Preisfindung eine stärkere Differenzierung und Individualisierung erforderlich. Schon jetzt läuft bei den Versicherern ein großes Datenvolumen auf, das bislang jedoch noch nicht ausreichend analytisch genutzt wird. Die Versicherer müssen ihre Systeme fit für Big Data machen, um mehr Individualität und Flexibilität bei der Preisfindung möglich zu machen. Ein Beispiel dafür sind Pay-as-you-live-Tarife. Die Kunden verlangen zunehmend nach individuellen Versicherungsmodellen, die exakt auf ihre Lebenslage zugeschnitten sind. Gleichzeitig erfassen immer mehr von ihnen über Fitness- und Gesundheits-Apps Daten über sich und ihre Umwelt. Diese ermöglichen orts-, zeit- und verhaltensbezogene Tarife. Der Kunde zahlt nur noch für das Risiko, dem er wirklich ausgesetzt ist. Erste derartige Ansätze finden sich in der Krankenversicherung, wo bestimmte Vorsorgeuntersuchungen und sportliche Aktivitäten honoriert werden.
Gespräche mit Versicherungsvorständen haben gezeigt, dass vor allem die Direktversicherer an die Zukunft von Pay-as-you-live-Tarifen glauben. Einig waren sich alle darüber, dass die Flexibilisierung der Absicherung hin zu On-Demand-Versicherungsschutz an Bedeutung gewinnen wird. Allerdings steht dieses Modell vor großen Herausforderungen. Datenschützer sehen die Nutzung zusätzlicher personenbezogener Kundendaten kritisch. Sie befürchten, dass kranke Versicherte und diejenigen, die ihre Daten nicht preisgeben wollen, mit schlechteren Tarifen bestraft werden und es künftig kaum noch eine Wahl gibt, eine Versicherung ohne erweiterte Datenoffenlegung zu erhalten.
Natürlich sind auch die besonderen rechtlichen Rahmenbedingungen und Anforderungen des Datenschutzes zu beachten. So ist die Erhebung, Verbreitung und Nutzung personenbezogener Daten nur nach ausdrücklicher vorheriger Einwilligung zulässig. Auch die Weitergabe an Dritte bedarf einer rechtswirksamen Einwilligung. Offen bleibt, ob und…