Erschienen in Ausgabe 5-2016Köpfe & Positionen

Guter Wille allein reicht nicht aus.

Zu Titelreport: „Das Gesicht der Wirtschaft formt sich neu“, .

Von Dr. Uwe KorteVersicherungswirtschaft

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Das Rad der Digitalisierung rollt unaufhörlich weiter und hat zweifellos auch die Versicherungsbranche erfasst. Sie steckt nun „mittendrin“ und doch geht vieles noch nicht schnell genug. Bis vor einigen Jahren dominierten hier noch kleine bis mittelgroße Pilotvorhaben, die sich zum Beispiel mit der Entwicklung von mobilen Apps stark auf die digitale Kundenschnittstelle fokussierten.
Weniger im Vordergrund standen dabei die Konsequenzen der digitalen Vernetzung. Zu lange galt dies als Zukunftsprojekt, deren Realität heute das Versicherungsgeschäft verändert. Über das gesamte Spektrum hinweg, von den großen Gesellschaften bis zu den kleinen Unternehmen, stehen aktuell laufende Großprojekte unter dem Stern der Digitalisierung. Doch guter Wille allein reicht hier nicht aus. Auch die Geschwindigkeit muss stimmen. Doch daran hapert es oft. Ein Großteil der Versicherer betreibt Kernprozesse noch über veraltete Legacy-Systeme, die der Assekuranz Agilität und Reaktionsfähigkeit rauben. Zwei Trends fallen in diesem Zusammenhang besonders auf:
1. Die technikaffine Generation Y betritt den Markt – und zwar jetzt. Sie hat eine andere Erwartungshaltung an die Versicherung und ist auch deutlich unzufriedener. Versicherer müssen diese Konsumentengruppe, die schon bald die kaufkraftstärkste im Markt sein wird, stärker an sich binden. Andernfalls werden innovativere Technologie-Firmen und Fintechs hier schon bald relevante Positionen in der Wertschöpfungskette besetzen und wesentliche Marktanteile gewinnen.
2. Im Rahmen der zunehmenden Vernetzung von Technologien und Lebensbereichen und den daraus ableitbaren Daten lässt sich die Entstehung neuer Risiko- und Versicherungsmodelle jenseits der traditionellen Solidargemeinschaft prognostizieren. Aufgrund von Informationen können individuelle Risiken genauer beurteilt werden. Zusätzlich wird die Risikovermeidung über Technologie auch schrittweise zu einer Verlagerung der Risiko-Haftung vom Gerätenutzer zum Gerätehersteller führen.
Um auf diese Entwicklungen reagieren zu können, müssen Versicherer das technische Fundament ihrer Arbeit erneuern und auch die notwendigen Infrastrukturen für Big-Data-Analysen schaffen. Ziel der Modernisierungsprojekte sollte die digitale Versicherungsfabrik sein, in der operative Kernprozesse automatisiert ablaufen und eine einheitliche Sicht über alle Kanäle besteht. Die Branche ist bisher nicht durch ihre Flexibilität und Adaptionsgeschwindigkeit aufgefallen. Das wird sich nun ändern.